· 

Wie mich eine Gurke zur Terrorverdächtigen machte


Der Tag ging eigentlich ganz gut los - müde und super aufgeregt, aber alles nach Plan, sogar inklusive eingeplantem Stau.... bis ich keinen Parkplatz in Frankfurt fand. Meine Cousine hatte mir den grandiosen Tipp gegeben, wo ich mein Auto kostenfrei während meines Urlaubs stehen lassen konnte, um dann mit der S-Bahn zum Flughafen zu fahren. Nach diversen Berichten darüber, was mit den am Flughafen abgegebenen Autos passiert, während man sich im Urlaub die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, hatte ich kein gutes Gefühl dabei, mein geliebtes Fahrzeug dort abzugeben.

Nun fing das Problem an. Gerade noch schrieb meine Cousine eine Nachricht: "Ich hoffe, es hat alles gut geklappt. Schönen Urlaub." - da gab es an beschriebener Stelle keine freien Parkplätze mehr... und meine Cousine plötzlich nicht mehr erreichbar. Sie befand sich zu dem Zeitpunkt in einem Meeting wie ich später erfuhr.

Die Zeit schritt voran, ich musste zum Flughafen und weit und breit kein kostenfreier Parkplatz in Sicht. Da fiel mir ein, dass es an meinem Tattoostudio ein paar wenige Parkplätze gibt, die kostenfrei und ohne Anwohnerparken waren. Ich dachte, ich versuche mein Glück. Während mich mein Navi zwei Mal falsch geleitet hatte (man sollte eben nicht nur Straßennamen, sondern auch die Hausnummer eingeben), entschied sich mein Auto dazu, spontan auszugehen. Öl- und Batterielämpchen leuchteten auf. Diese Situation kam mir sehr bekannt vor, passierte mir doch das gleiche auf der Autobahn ein 3/4-Jahr zuvor, woraufhin die Batterie ausgewechselt werden musste. Ich wurde langsam wirklich unruhig. Ich dachte nur: "Das ist echt ein schlechter Scherz, bloß nicht jetzt!!!" Manchmal soll es ja auch helfen, einfach mal Sachen auszuprobieren. Intuitiv startete ich mein Auto erneut. Und siehe da, keine Lämpchen mehr und es schnurrte wie ein Kätzchen. Am gedachten Parkplatz angekommen, gab es tatsächlich genau einen einzigen freien Stellplatz. Nach doppelter Prüfung mit einer Frankfurterin war der Parkplatz laut Beschilderung tatsächlich nicht kostenpflichtig und auch kein Bewohnerparken. Ich stellte meinen Wagen ab, holte erleichtert meinen quietsch-orangen Koffer aus dem Kofferraum und begab mich Richtung Südbahnhof. Von dort bin ich mit der S-Bahn schnell am Flughafen - so mein Gedanke. Es war bereits 09:15 Uhr. Ab 09:45 Uhr begann der Check-in für meinen Flug. Zum Glück hatte ich großzügig geplant. Während ich zum Bahnhof lief, checkte ich die Bahn-App. Bei sämtlichen Verbindungen zum Flughafen waren kleine rote Dreiecke mit einem Ausrufezeichen zu sehen, sowie der Zusatz "Es liegen keine Informationen vor" Ich dachte erst, die App würde spinnen, holte mir also einen Fahrschein und erst danach sah ich es: Störungen im S-Bahn-Betrieb. Keine Möglichkeit zum Flughafen zu gelangen. Langsam begann ich, innerlich durchzudrehen. Ich sah mich schon den Flieger verpassen. Einzig logische Konsequenz: ein Taxi zum Flughafen nehmen. Insgesamt 35 Euro leichter kam ich dann doch recht entspannt und erstaunlicherweise immer noch pünktlich zum Check-in. Nachdem ich nun noch für mein Gepäck 55 Euro zusätzlich zahlen durfte (welch günstige Angebote einem doch das Internet vorschwindelt), war ich mein gesamtes Bargeld vom Handgepäck los. Nun dachte ich: "Der Urlaub kommt! Ich bin zwar bargeldlos, aber kann mich endlich entspannen." Dann kam die Sicherheitskontrolle. Der neuartige Körperscanner kam mir schon sehr futuristisch vor. Während ich noch über selbigen staunte, fiel mir auf, dass die Kiste mit meinem Hab und Gut beiseite gestellt wurde. Irritiert wartete ich. "Gehört das zu Ihnen?" fragte ein Sicherheitsmitarbeiter. Ich bejahte. "Können Sie bitte die Tasche öffnen?" Ich kam der Aufforderung nach. Der Mitarbeiter strich daraufhin mit einer Art Papierstreifen an der Innenseite meines Rucksacks entlang. Schon wieder hatte ich ein Déjà-vu. "Wieso werde ich eigentlich immer auf Sprengstoff untersucht???" dachte ich. Als der Test negativ ausfiel, fragte mich der Mann, ob ich noch irgendwelche Flüssigkeiten mitführen würde. Ich verneinte dies, während er meine Frischhaltedose mit meiner grünen Gurke aus meiner Tasche zog. Er schaute sich die Dose merkwürdig an und fragte, was das sei. "Eine Gurke" entgegnete ich ihm. Langsam dämmerte es mir - und ihm auch. Gurken bestehen quasi nur aus Wasser. Er schob die Dose getrennt von meinen anderen Sachen nochmals durch den Scanner und wandte sich belustigt an seine Kollegen, die zuvor wohl schon unruhig geworden waren beim Anblick des zylinderförmigen Flüssigkeitsgegenstandes. Meine Reaktion: "Wie schnell eine Gurke einen zum Terrorverdächtigen machen kann."

Von da an lief es gut - erstmal. Der Flug mit TAP Portugal war in Ordnung, wobei die weder wissen, wie man ordentlichen Kaffee kocht, noch wie man ein leckeres Sandwich zubereitet. Auf dem Weg nach Lissabon konnte ich dann nach dem turbulenten Morgen ein wenig Schlaf nachholen. In Lissabon begrüßten mich dann heller Sonnenschein, frühlingshafte Temperaturen und ungewöhnlich viele unglaublich attraktive Männer. Da muss irgendwo ein Nest sein...

Gut gelaunt ging es weiter nach Madeira. Bereits vom Flugzeug aus konnte ich das Ostkap (Ponta de Sao Lourenco) aufgeregt bestaunen. Denn wenige Tage später wollte ich dort auf den Felsformationen herumkraxeln. In bester Urlaubsstimmung auf der Blumeninsel angekommen, wurde ich direkt von der Sonne geküsst und mir die Meeresbrise um die Nase geweht. Mein erster Gedanke war: "Hier könnte ich definitiv leben!"

 

> Anreise

 

Direkt ging es mit meinem Gepäck (so schnell hatte ich meinen Koffer auch noch nie nach einem Flug) Richtung Autovermietung, wo mir der nächste finanzielle Dämpfer verpasst wurde. Ich glaube, das war der teuerste Urlaub meines Lebens... Von den Finanzen ließ ich mich jedoch nicht trüben. Voller Tatendrang ging es in meinem Fiat 500 (hahaha) nach Santa Cruz. Erster Einparkversuch - gescheitert (auf der linken Straßenseite rückwärts einparken am Berg ist aber auch scheiße ...). Nachdem ich schnell einen anderen Parkplatz gefunden hab - Abwechslung muss ja auch mal sein - schaute ich mir das Gerichtsgebäude an, streunerte einfach an der Promenade entlang, schnupperte Meeresluft, lauschte den Kieselsteinen, wie sie vom Sog der Wellen ein beruhigendes Klirrgeräusch von sich gaben, staunte über den ersten Wasserfall mitten in der Stadt und genehmigte mir ein madeirisches Törtchen (Pastel de Nata). Auch die zum Meeresthema angelegten Grünflächen waren total süß anzuschauen. Ich sah die ersten Straßenhunde, welche einen auf Madeira nicht bedrängen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein ungutes Gefühl. Sie halten Abstand und kommen einem nicht zu nah.

Ich finde es sehr empfehlenswert, sich direkt nach der Ankunft nach Santa Cruz zu begeben, welches nur einen Katzensprung vom Flughafen entfernt ist. Das lässt einen runterfahren und mit Ruhe, Sonne, Meer und Gelassenheit auf Madeira ankommen.

 

> Santa Cruz

 

Anschließend habe ich einen weiteren Stopp Richtung Funchal eingelegt - die Christusstatue (Cristo Rei) direkt an der Küste über dem Meer, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Man sollte den ersten Tag schon weitestgehend auskosten. Leider verdarb mir eine große Wolke entlang des Horizonts das Finale des Sonnenuntergangs - nicht das letzte Mal während meiner Zeit auf Madeira. Die Anfänge des Sonnenuntergangs waren jedoch sehr farbintensiv. Pärchen treffen sich dort wohl, um sich dieses romantische Farbenspiel anzusehen. Ich finde, das sollte man definitiv gesehen haben. Da bekommt man auch schon den ersten Eindruck der Felsformationen und Pflanzenwelt auf der Insel. Viele Besucher verewigen sich auch in den Kakteen, indem sie ihre Namen dort einritzen. So wie wir es in einer Parkbank oder der Baumrinde tun würden.

Unterhalb der Statue führen Stufen hinunter zu einem Felsvorsprung mitten im Meer. Einen tollen Blick auf die erhabene Statue sowie dem Sonnenuntergang hat man von diesem Fleckchen. Einfach wunderschön.

 

> Statue Cristo Rei

 

Soweit fand ich alles überraschend idiotensicher ausgeschildert. Das dachte ich zumindest bis ich in Funchal reinfuhr. Ich bin bestimmt eine halbe Stunde durch die Stadt gefahren auf der Suche nach meiner Unterkunft und - na, Überraschung - einem Parkplatz. Ich endete in einem Parkhaus, welches sehr teuer war, einfach um erstmal den Unterkunftsmenschen zu treffen, der extra wegen mir dort hinkam. Das Hostel hat nämlich keine Rezeption. Unten im Haus ist tagsüber ein Ladengeschäft für Schals und Schmuck, oben sind die Übernachtungsräume. Mitten im Zentrum - dementsprechend auch recht hellhörig und laut.

 

> Blick vom Balkon meines Einzelzimmers

 

Der Unterkunftsmensch stellte sich mir als Toni vor (ägyptisch-portugiesischer Mischling, der mal in Mannheim gelebt hat). Er war sehr zuvorkommend und zeigte mir, wo ich besser parken konnte, kaufte mit mir ein und erklärte einige Dinge, die wichtig sind in Funchal. Ich war inzwischen so Matsche in der Birne, dass ich ständig Dinge im Auto vergessen habe und wir deshalb gefühlte 20 Mal hin und her liefen.

Auf dem Weg zum Zimmer liefen mir zwei Mädels aus München (Kathi & Leo) über den Weg, mit denen ich die darauffolgenden Tage noch so richtig Spaß hatte.

Nachdem ich meine leckere Pastel de Nata und eine madeirische Banane verspeist hatte (Erinnerungen an Gran Canaria wurden wach), habe ich mich zu hartem Bett begeben. Ich wollte für meinen Geburtstag am nächsten Tag schließlich ausgeschlafen und fit sein.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0