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Delfine zum Geburtstag


Mein Geburtstag fing recht entspannt an. Nicht zu früh aufgestanden, ohne ein Wölkchen am Himmel bei strahlendem Sonnenschein, ging ich erst einmal in Ruhe frühstücken - mein Auto direkt vor meiner Nase in Sichtweite. Denn eigentlich durfte ich an dieser Stelle ab 8 Uhr nicht mehr parken. Aber auf Madeira scheint das niemanden zu interessieren. Um 9 Uhr war ich mit Toni verabredet, damit er mir zeigen konnte, in welcher Tiefgarage ich einen günstigen Ganztagesparkplatz bekomme. Er erinnerte sich, dass ich Geburtstag hatte und lud mich zum Frühstück ein (ohne Pastel de Nata geht hier bei mir gar nichts). Ich sollte den ganzen Tag über noch bemerken, wie erstaunlich viel man umsonst oder vergünstigt bekommt, wenn man mal ganz nebenbei fallen lässt, dass man vor 27 Jahren das Licht der Welt erblickte. Toni und ich fuhren anschließend zu seinem Bekannten, der einen Parkplatz für eine Privatperson vermietete. 20 Euro wechselten den Besitzer (für 4 Tage parken - da kann man nicht meckern) und ich bekam den Schlüssel zum Öffnen des Tores sowie des Privatzugangs überreicht. Ich war zufrieden, dass das Auto sicher stand und ich nicht jeden Tag erneut einen Parkplatz-Suchmarathon starten musste. Nun wurde es langsam Zeit, sich Richtung Hafen zu bewegen. Ich hatte nämlich eine Whale Watching Tour gebucht. Auf dem Weg zur Marina kam ich an der Kathedrale vorbei, die ich erst gar nicht als solche erkannte, da sich die Hälfte in einem Baugerüst versteckte. Generell fand ich diese dann aber doch gar nicht so beeindruckend wie gedacht. Ich war jedoch auch nicht drin.

 

> Funchal

 

Nach dem Check-in vertrieb ich mir die Zeit damit, in einem Souvenirladen Postkarten sowie einen Hut für die Bootsfahrt zu kaufen, damit ich keinen Sonnenstich bekäme. Leider hatte ich nicht darauf geachtet, ob der Hut ein Produkt aus Madeira ist. Somit habe ich nun einen weiteren Hut "Made in China" in meiner Sammlung.

Die Teilnehmer der Tour wurden nun zum Katamaran geführt, auf welchem wir die nächsten 3 Stunden verbringen würden. Gut angelegte 35 Euro, wie ich finde. Ich fuhr mit VMT Madeira und war sehr zufrieden. Dies war eine Katamarantour. Man kann aber auch mit dem nachgebauten Kolumbusschiff fahren. Dieses schien allerdings an der Ostküste entlang zu schippern.

Nach einer sehr netten Begrüßung ging es auch direkt los. Man konnte es sich an verschiedenen Plätzen auf dem Boot bequem machen. Gerne hätte ich einen Platz auf dem Sonnendeck im vorderen Bereich ergattert. Allerdings hatte ich Bedenken, dass meine Kamera nass werden würde, da das Sonnendeck aus einem gespannten Netz bestand. Und meine Bedenken waren nicht unberechtigt, wurden doch einige Mitfahrer dort vorn vom Meer geduscht.

Schon nach ca. 10 min auf dem Wasser schwamm uns ein Delfinen-Trio entgegen. Das Katamaran stellte den Motor ab und die Delfine kamen immer näher. Das Geräusch erstaunter Leute sowie aufgeregtes Kameraklicken machten sich auf dem Boot breit. Einer der Skipper gab mir tolle Tipps, von wo aus ich die besten Fotos von den Delfinen aufnehmen könnte. Kurz nachdem wir die Fahrt wieder aufnahmen, scharwänzelten schon die nächsten Delfine um das Boot herum. Es waren viel mehr als zuvor und sie waren durchaus in Spiel-Laune. Sie sprangen ein ums andere Mal im hohen Bogen ins Wasser und jagten neben dem Boot her. Es war als wollten sie mir eine Geburtstags-Show liefern. Der Skipper gab mir erneut Tipps für Kameraaufnahmen. Als das Katamaran weiterfuhr, bedankte ich mich bei ihm dafür und fügte hinzu, dass das ein toller Start in meinen Geburtstag war. Wale haben wir an diesem Tag leider nicht zu Gesicht bekommen.

 

> Whale & Dolphin Watching Tour

 

Die Tour ging weiter zum Cabo Girao, welches die höchste Steilklippe Europas ist. Einen Tag später sollte ich die 580m aus dem Meer erhobene Klippe aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen bekommen.

Wir schipperten zurück Richtung Funchal an der Südküste entlang. Das Katamaran segelte so vor sich hin, während ich die Sonne, die Wellen und den Wind genoss (ja, Wind gibt es auf Madeira reichlich). Bevor wir anlegten, kam die junge Frau, die die Fotos an Bord und von den Delfinen gemacht hatte, auf mich zu. Sie hielt etwas in der Hand. Sie fragte mich, ob heute mein Geburtstag sei. Ich bejahte mit einem breiten Lächeln. Nun zeigte sie mir, was sie bei sich trug. Die hübsche Portugiesin hielt mir das Erinnerungsfoto von mir und den heute gesichteten Delfinen in einer hübschen Karte hin, die man nach Touristenattraktionen sonst total überteuert erstehen kann. Sie sagte mit einem Lächeln, es wäre ein Geschenk, da heute mein Geburtstag sei. Ich habe mich riesig gefreut und verließ das Boot mit einem breiten Grinsen.

Wieder an Land, wollte ich als nächstes die Zona Velha (also die Altstadt) erkunden. Auf dem Weg dorthin, machte ich jedoch einen Abstecher in die Markthalle "Mercado dos Lavradores", die am Beginn der Zona Velha zu finden ist. Mir strömten unglaublich intensive Düfte von Früchten entgegen. Wie ich soeben auf der Bootstour gelernt hatte, wurde das alles auf Madeira angebaut. Ich stromerte von Stand zu Stand und konnte mich gar nicht satt sehen bzw. riechen. Da die Verkäufer ihre Ware an den Mann bringen wollen, lassen sie einen alles probieren. Eine geniale Verkaufsstrategie - und ein geiles Geschmackserlebnis für mich. Mir wurden verschiedene Maracuja-Sorten (ich erinnere mich an die Bananen-Maracuja, die ihren Namen von der babybananen-ähnlichen Form hat), die englische Tomate (schmeckt gewöhnungsbedürftig), Mangos (wer nur in Deutschland Mangos isst, hat keine Ahnung, wie die wirklich schmecken sollten), und eine sehr merkwürdig aussehende Frucht, die nur Fruta Deliciosa genannt wird und ähnlich wie Chirimoya schmeckt, in den Mund geschoben. Ich war überwältigt von diesen intensiven Geschmäckern. Kein Wunder, dass ich keine dicken Menschen dort gesehen habe. Wenn wir solches Obst hätten, würde ich das auch den ganzen Tag essen... Ich kaufte schließlich zwei Mangos und die Fruta Deliciosa und bekam wegen meines Geburtstages noch eine Tüte Mandarinen dazu geschenkt. Denn die Mama des Verkäufers hatte ebenfalls Geburtstag. Ich verließ die Markthalle über die Fischhalle, wo ich den berühmten schwarzen Degenfisch in all seiner Pracht zu sehen bekam.

 

> Cabo Girao, Marina, Mercado dos Lavradores

 

Ich stromerte schließlich durch die Gassen der Zona Velha. Ich ging entlang der Rua de Santa Maria. Vor einigen Jahren beschloss das Kultusministerium, jede einzelne Tür in dieser Straße individuell von Künstlern gestalten zu lassen, um den Tourismus anzukurbeln. Somit stellt wirklich jede Tür und jedes Hoftor ein einzigartiges Kunstwerk dar. Es macht Spaß, sich diese kunterbunten Malereien anzuschauen. Nun besteht die Rua de Santa Maria fast ausschließlich aus Restaurants, die versuchen, die vorbeilaufenden Touristen in ihr Haus zu locken. Wirkte nur leicht aufdringlich. Ich sagte den Kellnern, ich wolle erst einmal eine Runde drehen durch die Zona Velha und würde dann entscheiden, wo ich zu Mittag essen würde. So tat ich es auch. Ich sog das Flair der Altstadt auf und lief noch an der Straße an der Meeresseite lang. Schließlich landete ich wieder beim ersten Restaurant, wo der eine Kellner versuchte mich zu locken, indem er seinen Kollegen dazu verdonnerte, mein Geburtstagsessen zu übernehmen. Natürlich war mir klar, dass das nicht passieren würde. Aber diesen Versuch, mich dazu zu bewegen, im "Dona Joana Rabo-de-Peixe" zu speisen, fand ich so amüsant und charmant, dass ich mich entschloss, dort zu Mittag zu essen. Ich bestellte den typisch madeirischen Schwarzdegenfisch mit Banane und Maracuja und machte es mir bequem. Dieses Gericht klingt nach einer richtig merkwürdigen Kombination, ist aber mitunter das geilste Fischgericht, das meine Zunge je geschmeckt hat. Ich bekam einen Sekt aufs Haus zu meinem Ehrentag und witzigerweise hatte der Bruder des Kellners, welcher meine Rechnung übernehmen sollte, ebenfalls am gleichen Tag Geburtstag. Ich genoss mein geniales Essen und kam immer wieder mit den Kellnern und der Kellnerin ins Gespräch. Ich bemerkte, dass die Musikauswahl mit Reggaetón und Kizomba doch sehr untypisch für ein Restaurant war, fand das aber sehr cool und angenehm. Während ich dann meine zwei Madeira-Weine (einer süß - mein Favorit; einer trocken), von denen ich ebenfalls einen aufs Haus bekam, verköstigte, unterhielt ich mich angeregt mit der Kellnerin Alexandra. Als ich die zwei Kellner nun fragte, wer denn jetzt meine Rechnung übernehmen würde, witzelte Alexandra, sie würden sie sich teilen. Es war sehr amüsant mit diesen sympathischen Menschen. Letztlich zahlte ich natürlich mein Essen selbst. Die Restaurantpreise auf Madeira finde ich sehr human.

Kurz bevor ich ging, steckte mir der eine Kellner zu, dass der andere Kellner Kizomba tanzen würde. Also nutzte ich die Chance und fragte ihn, wo ich wann tanzen gehen könnte. Er empfahl mir die Old Town Bar.

 

> Zona Velha, Funchal

 

Angetüdelt von dem Madeirawein nahm ich meine Reise wieder auf und fuhr mit der Seilbahn hoch nach Monte. Die Fahrt dauerte ca. 15 min und kostete 10 Euro. Normalerweise finde ich Seilbahnen furchtbar, aber diese war wirklich angenehm. Die Stellen an den Pfeilern hatte ich kaum gemerkt, was die Fahrt überaus erträglich machte. Ich genoss den Ausblick über ganz Funchal. Da ich allein in der Gondel saß, hörte ich (inspiriert von der Musik und den Gesprächen im Restaurant) Kizomba vor mich hin.

Oben in Monte angekommen, bewegte ich mich zunächst zum Monte Palace Tropical Garden. Die 12,50 Euro Eintritt fand ich ganz schön happig und im Nachhinein, nachdem ich ein paar Tage später mitten durch den Dschungel gelaufen bin, hätte ich mir diese Gartenanlage auch schenken können. Nichtsdestotrotz ist sie sehr schön gestaltet. Flip Flops sind hier jedoch nicht das richtige Schuhwerk. Es gibt verschiedene "Runden", die man gehen kann. Den Kunstweg, den Flora-und-Fauna-Weg, den "gemischten" Weg und es gibt auch eine geführte Runde von 20 min Länge. Die anderen Runden dauern zwischen einer und 2,5 Stunden. Ich war relativ schnell durch, da ich ziemlich spät erst angekommen bin und definitiv noch mit dem Korbschlitten fahren wollte. Ziemlich cool fand ich die Darstellung der Geschichte Portugals auf Fliesen entlang des Weges. Man muss allerdings wirklich Zeit mitbringen, um sich damit eingängig zu beschäftigen. Die afrikanische Ausstellung empfand ich etwas fehl am Platz, da Madeiras Kultur trotz der geografischen Nähe zu Afrika von der dortigen Kultur sehr weit entfernt ist. Auch die asiatischen Elemente fand ich irgendwie merkwürdig fehlplatziert.

 

> Seilbahn, Tropical Garden Monte Palace

 

Nachdem ich den Tropical Garden wieder verließ, lief ich die Straße entlang und schaute mir zunächst die Kirche "Nossa Senhora do Monte" an. Nur von außen allerdings. Die Korbschlittenstation befindet sich direkt unterhalb der Kirche. An der Mauer hingen Hüte und Jacken der Korbschlittenfahrer an Nägeln. Ich sah bereits das Schild mit den Preisen und hoffte auf mein Verhandlungstalent. Kartenspielende Korbschlittenfahrer, die auf Kundschaft im Schatten warteten, sagten mir, man würde direkt beim Korbschlitten bezahlen. Ich zielte auf den entsprechenden Herren zu, zog mein letztes Bargeld aus dem Portemonnaie und sagte ihm, dass ich nur noch 15 Euro in der Tasche hätte. Der Korbschlittenherr sagte: "Aber eine Einzelfahrt kostet 25 Euro!" Mit traurigem Dackelblick entgegnete ich ihm, dass ich extra deswegen hier hochgekommen und dass heute mein Geburtstag sei. Ich fügte die ironische Frage hinzu "Wollen Sie wirklich meinen Geburtstag ruinieren?" Der Herr nahm mir die 15 Euro aus der Hand und entgegnete "Happy Birthday!". Freudestrahlend setzte ich mich hinein in dieses witzige Gefährt, bat noch um ein Foto und los ging die Fahrt mitten auf der Straße den Berg hinunter, gesteuert von diesen zwei Korbschlittenfahrern. Mein Hut löste sich durch den Wind langsam von meinem Kopf. Ich konnte ihn gerade noch festhalten bevor ich ihn verloren hätte. Ich hielt ihn fortan auf meinen Knien fest. Die Fahrer sprangen an einer Stelle ab und zogen den Schlitten (ich nehme an, weil die Steigung dort zu gering ist). Ich dachte, das war es und wollte schon aufstehen, dann sagte einer der Männer, die Fahrt wäre noch nicht vorbei. Am Ende der Fahrt wird man auf einen kleinen Platz gefahren. Meine zwei Fahrer karrten dabei fast einen ihrer ausruhenden Kollegen um und wir lachten uns alle schlapp darüber. Während der Fahrt wurden an zwei Stellen Fotos gemacht, die sie hier nun versuchten zu verkaufen. Kleiner Tipp: Immer erstmal so tun als hätte man kein Interesse. Da ich kein Bargeld hatte und ablehnte, machten sie immer bessere Angebote. Erst sollte jedes Foto 10 Euro kosten. Dann beide Fotos für 10 Euro. Im Nachhinein finde ich es wirklich schade, dass ich kein Geld mehr einstecken hatte. Denn die beiden Fotos waren wirklich wunderschön und wurden eben mitten in der Fahrt gemacht.

Von diesem Platz aus kann man mit Bus oder Taxi wieder in die Stadt hinunter. Ich bin gelaufen. Das hatte ich sowieso geplant, doch nun hatte ich auch kein Geld mehr für eine Fahrt...

Zu Fuß zurück nach Funchal zu kehren, gibt einem unglaublich viele schöne Fotomotive von diesen typischen Häusern der Stadt mit tollen Gärten und Blumen in großen Blumenkästen an den Mauern und Balkonen. Auch hier kann ich Flip Flops definitiv nicht empfehlen. Man sollte sich außerdem auf Wadenschmerzen einstellen, wenn man den Berg zu Fuß hinabsteigt. Daher musste ich auch erstmal meine Beine hochlegen als ich wieder im Hostel ankam.

 

> Monte, Korbschlitten

 

Als ich die Wettervorhersage für die nächsten Tage checkte und diese nicht so gut aussah wie für meinen Geburtstag, entschloss ich mich spontan, den für den nächsten Tag geplanten Sonnenuntergang am Ponta do Sol vorzuziehen und machte mich mit dem Auto auf den Weg. Leider kam ich erstens etwas spät, es war schon fast dunkel. Zweitens verdarb mir wieder diese riesige Wolke am Horizont das Finale des Sonnenuntergangs. Dennoch war ich von Ponta do Sol irgendwie entzückt. Ich wollte mir eigentlich in dem Café an der Klippe etwas gönnen mit Blick auf den Sonnenuntergang. Stattdessen hielt ich das Café und generell diesen süßen, kleinen Ort auf Fotos fest. Ich kann mir vorstellen, dass die untergehende Sonne dort sehr schön anzuschauen ist.

 

> Ponta do Sol

 

Als ich wieder am Hostel ankam, saß das eine der zwei Mädels aus München in der Tür und genoss das Treiben auf der Straße mit einer Flasche Wein. Sie stellte sich mir als Leona vor und sie fragte mich nach meinem Tag. Ich berichtete von meinen Erlebnissen, wurde zum Geburtstag gedrückt und durfte den Wein teilen. Das zweite Mädel kam hinzu - Kathi. Wir hatten eine sehr lustige und angenehme Unterhaltung, machten uns aber alsbald Richtung Bett.

Nach kurzem Hinlegen wollte ich eigentlich noch Kizomba tanzen gehen. Mein Wecker klingelte, ich VERSUCHTE aufzustehen. Doch sobald ich stand, schmerzten meine Waden so sehr von diesem Tag, dass ich kaum stehen konnte. Somit stand direkt fest, dass Tanzen an diesem Abend ins Wasser fiel. Ich bettete mich erneut und versuchte bei den lauten Straßengeräuschen zur Ruhe zu kommen.


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