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Mit Brautschleier auf die höchste Klippe Europas


Der Samstag startete ebenfalls sehr ruhig. Ich hatte im Voraus jeden Tag durchgeplant, hatte mich aber entschieden, die jeweiligen Tagestouren dem Wetter anzupassen. Da es an diesem Tag im Norden der Insel sonnig werden sollte, habe ich mich für die Nord-West-Tour entschieden. Ich machte mich in Ruhe fertig, konnte dann aber keinen Fön in dem Gemeinschaftsbad finden. Daher fragte ich die zwei deutschen Mädels, ob sie wüssten, wo ich einen finden könnte. Sie boten mir daraufhin ihren an, den sie dabei hatten. Als ich ihnen diesen kurze Zeit später zurück brachte, fragten sie, was heute bei mir anstehen würde. Ich erzählte ihnen von meiner geplanten Tour in den Norden. Als ich merkte wie sehr sie bei meinen Erzählungen ins Schwärmen gerieten, bot ich ihnen an, mich zu begleiten, wenn sie sich beeilen würden, da ich bald los wollte. Noch schnell Geld geholt und die Tasche gepackt, waren die Mädels auch abfahrtsbereit und wir machten uns entspannt 09:30 Uhr los. Mein ursprünglicher Plan war es, in Seixal zu frühstücken. Da wir aber alle noch nicht wirklich hungrig waren, sparten wir uns den Besuch in diesem Ort. Das erste Ziel waren Aussichtspunkte auf dem Weg nach Porto Moniz direkt an der Küste hinter Sao Vicente. Über die Schnellstraßen gelangt man tatsächlich sehr fix über die Insel. Der erste Halt war an einer gesperrten Küstenstraße. Man sieht direkt, wieso diese gesperrt sind. Mal abgesehen davon, dass ich diese schmalen, eng gewundenen Straßen an sich schon nicht sehr verkehrssicher finde, lagen direkt zu Beginn der Sperrung große Gesteinsbrocken auf dem Asphalt. Man sollte diese Sperrung sehr ernst nehmen. Nicht einmal zu Fuß würde ich da lang gehen. Das kann wirklich gefährlich werden! Aber vor der Sperrung hat man die Möglichkeit, anzuhalten und den Ausblick zu genießen. Und genau das haben wir getan. Als zweites hielten wir an dem Aussichtspunkt "Véu da Noiva", dem Brautschleier. Den Namen erhielt dieser Ort wegen des Wasserfalls, der sich mitten aus der Felswand hervortat und ins Meer hinabfiel. Der Wasserfall sieht tatsächlich wie ein Schleier aus.

Einen weiteren Stopp legten wir bei "Foz da Ribeira da Janela" ein, um die Aussicht zu genießen. Fasziniert war ich von dem Vulkangestein, welches so aussah als würde es die Klippen entlang hinunter fließen.

 

> Aussichtspunkte zwischen Sao Vicente & Porto Moniz

 

Nun ging es zum ersten Hauptziel der Tour - die Vulkanbecken in Porto Moniz. Ich wollte unbedingt darin baden gehen, weswegen gutes Wetter wichtig war. Zunächst verwirrte uns die Beschilderung in der Stadt ein wenig. Letztlich parkten wir an der Promenade (endlich mal kostenfrei) und liefen Richtung Meer - das konnte nicht falsch sein, da sich die Vulkanbecken nun mal direkt an der Küste befanden. Schon von Weitem konnten wir sie betrachten. Diese Wucht des Meeres war einfach der Wahnsinn. Wie die riesigen Wellen mitten auf dem Ozean gegeneinander preschten. Nah an den Felsen war nur weiß zu sehen - ein Meer aus Gischt. An den Felsen knallte immer mal wieder eine große Welle dagegen und ließ Wasser in die natürlichen Vulkanbecken. Wir machten uns auf den Weg dorthin und liefen erstaunt am Meer entlang. An den Becken angekommen, suchten wir erst einmal den richtigen Weg hinunter. Inmitten dieser Felsformationen fühlt man sich dann ein bisschen wie in einer anderen Welt. Das Wasser in den Becken hat eine türkis bis hellblaue Farbe. Die Felsen zwischen den Becken sehen aus wie riesige Kleckerburgen, die man sonst am Strand baut. Ich wollte einmal vorfühlen, ob man von der Temperatur her darin baden könnte und steckte daher meine Füße in das klare, blaue Wasser. Es war nicht eisig, aber dennoch frisch und definitiv keine Badetemperatur. Für die Füße aber eine angenehme Abkühlung. Kathi und ich wollten nun auf eine dieser kleineren Kleckerburgen-Felsen, die sich mitten aus den Becken erhoben, raufklettern mittels eines kleinen Sprunges. Wir waren total im Entdecker-Modus. An der ein oder anderen Stelle wuchsen saftig grüne Pflanzen aus dem Gestein, während woanders ein Steckdosenkasten aus dem Fels lugte. Während Leo und ich noch zwischen den Felsen entlangliefen und staunten, sahen wir plötzlich Kathi weit oben auf einem Felsen. Unsere Reaktion: "Wie ist sie denn da hochgekommen???" Hochgeklettert natürlich. Kathi kam wieder auf unsere Höhe und nun wollten Leo und ich auch dort hoch. Mein letztes Klettern am Naturstein ist schon einige Jahre hergewesen, aber der Aufstieg war nicht ganz so schwierig. Von dort oben hat man einen einzigartigen Blick über die Vulkanbecken und den riesigen Felsen mit Leuchtturm am Ende der Küste. An diesem Ort hat man das Gefühl absoluter Freiheit. Einfach unbeschreiblich.

 

> Vulkanbecken in Porto Moniz

 

Mit dem Entschluss, dann doch nicht baden zu gehen, begannen unsere Mägen vom Geruch gebratenen Fisches langsam zu knurren. Wir entschieden uns im "Orcas" zu Mittag zu essen. Von dort aus konnte man den exzellenten Blick auf die Vulkanbecken genießen. Auf dem Weg zum Restaurant meinte Leo "Aber das ist ja leer dort!", woraufhin Kathi entgegnete "Na, wenn wir da essen, dann nicht mehr!" Wir schütteten uns aus vor Lachen. Und Kathi sollte Recht behalten. Kurz nachdem wir auf der Terrasse des "Orcas" Platz genommen hatten, füllte sich dieses nach und nach. Ich hatte den beiden Mädels von meinem schwarzen Degenfisch mit Banane und Maracuja vorgeschwärmt. Nun wollten sie dieses typisch madeirische Gericht auch unbedingt probieren. Und da ich so begeistert von dieser Speise war, bestellte ich sie mir auch noch einmal. Während wir auf unsere Bestellung warteten, ließen wir uns den Meereswind um die Nasen wehen, genossen die salzige Luft und bestaunten den Wahnsinnsblick auf die Vulkanbecken. Nun stellten wir auch fest, dass unter dem Restaurant die offiziellen Badebecken waren. Halb natürlich, halb angelegt mit Treppen etc.

Es gab tatsächlich einige Mutige - oder Verrückte, je nachdem, wie man es sehen will - die sich bei den kühlen Temperaturen ins Wasser trauten. Teilweise waren da wirklich riesige Wellen dabei, die über die Felsen in die Becken preschten. Wir dachten beim Anblick einer Mutter mit ihrem kleinen Kind, die beide am Beckenrand standen als eine solche Welle auf die Felsen zurollte nur, dass sie sich da wegmachen sollte. Schließlich rannten sie auch in Sicherheit. Aber lebensmüde waren die ja schon ein wenig. Bei wärmeren Temperaturen sollte man da aber auf jeden Fall baden gehen!!!

Vor dem Hauptgang wurde uns Brot gereicht mit verschiedenen Aufstrichen (Thunfisch, Sardinen und Butter). Das Brot schmeckte unglaublich lecker. Dazu gab es einen frisch gepressten Orangensaft. Und, oh mein Gott, dieses Geschmackserlebnis. Kein Vergleich mit deutschen Orangen. Jeder Cent der 3,50 Euro war dieser Saft wert. Der Fisch war wieder einmal ausgezeichnet. Dazu wurde ein Reis mit Meeresfrüchten - also eine Art Paella - gereicht, sowie gedünstetes Gemüse. Sehr lecker! Gesättigt, aber nicht vollgefressen, setzten wir unsere Reise fort.

 

> Porto Moniz

 

Es ging die steilen Serpentinen den Berg hinauf, die mein Fiat 500 bei 40 km/h manchmal sogar nur im ersten Gang schaffte. Oben am Berg gab es wieder Parkplätze, um den Ausblick auf Porto Moniz zu genießen. Genau das taten wir auch. Nach einer kurzen Foto-Session ging die Reise weiter. Unser nächstes Ziel war der Leuchtturm am Ponta do Pargo. Die Fahrt durch das serpentinenreiche Bergland war durchaus erlebnisreich. Als Autofahrer muss man auf Madeira definitiv angstbefreit sein. 

Um die Straßen herum wurde es immer grüner. Die Fahrt durch diese tolle Flora war sehr entspannend, wenn auch anstrengend, weil man sich wirklich stark konzentrieren muss beim Fahren. Außerdem vermied ich es, meinen Blick stark von der Straße abzuwenden. Direkt neben der Straße ging es nämlich den Hang hinunter.

Meine aufmerksame Beifahrerin bemerkte während unserer Fahrt nun, dass wir wohl schon an der Abfahrt zum Leuchtturm vorbeigefahren sein mussten. Also hieß es, umdrehen und genau auf die Beschilderung achten. Dann fanden wir die richtige Abfahrt. Wir hatten sie übersehen, weil der Wegweiser ziemlich viele Ziele aufzählte. Dazu gehörten Orte wie Apotheken, weswegen ich nicht dachte, dass der Leuchtturm mit dort stehen würde. Aber das Schild mit "Farol" stand tatsächlich relativ weit unten. Also bogen wir ab und folgten der Beschilderung. Richtung Meer - macht ja auch Sinn, wenn man zu einem Leuchtturm möchte. Man kann sich am Ende des Weges aussuchen, ob man sein Auto am oberen Parkplatz abstellt und von dort aus den Rest läuft oder direkt bis zum Leuchtturm fährt und dort parkt. Wir haben oben geparkt und liefen den Rest. Das war auch eine durchaus gute Entscheidung. Denn zunächst kamen wir an einem unglaublich hübschen Haus vorbei, an dem ein "Zu verkaufen"-Schild hing. Wir fingen an, davon zu träumen, in diesem wunderschönen Häuschen zu wohnen und jeden Abend den Sonnenuntergang am Leuchtturm zu genießen. Auf unserem weiteren Weg entdeckten wir einen kleinen Pfad direkt in der Klippe, gesäumt von Kakteen. Von oben am Rande der Klippe sah das ganz schön abenteuerlich aus. Aber den Weg entlanggegangen war es dann doch gar nicht so gefährlich. Man sollte nur schwindelfrei sein und trittfeste Schuhe tragen. Im Schutz der Klippe wurde es plötzlich fast windstill und die Sonne brannte regelrecht. Es wirkte alles sehr friedlich. Keine anderen Menschen, nur der Blick aufs Meer und die anderen Klippen.

Ziemlich schnell wurde mir jedoch so heiß, dass ich wieder nach oben und etwas trinken musste. Die Mädels kamen einen Moment später nach.

 

> Porto Moniz & Ponta do Pargo

 

Wir folgten weiter dem Weg. Hinter der nächsten Biegung konnten wir den Leuchtturm bereits sehen. Er sah so süß aus mit seinem roten "Häubchen". Wir liefen hinunter zum westlichsten Punkt der Insel und spürten in der stürmischen Kraft des Windes, dass die Weite des Meeres erst an der Küste der USA endet. Wieder so ein Moment absoluter Freiheit. Wir stellten uns an den Rand der Küste, hoben die Arme seitlich wie bei Titanic, schlossen die Augen und hielten unsere Nasen in den Wind. Wir genossen dieses atemberaubende Gefühl für eine Weile. Dann machten wir uns auf den Rückweg. Immerhin hatten wir noch andere Stationen vor uns. Das Laufen bergauf wurde langsam beschwerlich. Meine Waden schmerzten. Aber diese Erlebnisse, Aussichten und Gerüche entschädigten für all das.

 

> Leuchtturm am Ponta do Pargo - westlichster Punkt Madeiras

 

Unser nächstes Ziel hieß Prazeres. Es ging also weiter durch den Dschungel, die Serpentinen entlang. In Prazeres erwartete uns ein Barfußpfad. Diesen Tipp hatte ich nicht von meinem Reiseführer, sondern von einem Reisenden aus dem Internet. Wir suchten also die Beschilderung zum Hotel Jardim Atlántico. Halb nach Schildern, halb intuitiv fanden wir einen Hotel Parkplatz. Es gab keinen weiteren Hinweis, wo sich das Hotel befand, also folgten wir wie so oft unserer weiblichen Intuition und liefen die Straße entlang. Am Ende dieser erwartete uns eine noble Hotelanlage mit Bungalows, Tennisplatz und Spa. Wenn man einen ruhigen Entspannungsurlaub verleben möchte, kann man dies hier mit Sicherheit tun. An der Rezeption fragten wir nach dem Barfußpfad. Jede von uns zahlte einen Euro und erhielt ein kleines Handtuch, um die Füße am Ende des Pfades zu trocknen. Wir wurden angewiesen, den asphaltierten Weg am großen Baum hinunterzugehen und dann auf der rechten Seite den kleinen Einstieg zum Barfußpfad zu nutzen. Zu Beginn befand sich ein Regal, wo ich meine Schuhe abstellte. Die Mädels wollten ihr Handtuch nicht mitnehmen und ließen sie bei den Schuhen zurück - ein Fehler, wie sich später zeigte.

Es handelte sich um einen Rundweg, der die Klippe entlang mitten im Grünen zunächst den Berghang hinunter und zum Ende wieder hoch führte. Ich habe nicht gezählt, wie viele Stationen es gab. Ich wollte mich vollends auf das Erlebnis einlassen und das war es wirklich: Ein Erlebnis! - und zwar für alle Sinne. Man begann eine Treppe aus gesägten Ästen hinunterzugehen. Als meine Füße in das saftige Gras am Ende der Treppe sanken, fühlte sich das direkt wie eine Wohltat an. Es folgten Barfußerlebnisse auf Vulkansteinen verschiedenster Größen. Auf den ganz kleinen konnte ich gar nicht laufen. Das war zu schmerzhaft. Aber die größeren fühlten sich ganz geschmeidig und warm an. Das war sehr angenehm. Wie wir so über die verschiedenen Stationen liefen, haben wir uns auch gedacht, dass hinter der Reihenfolge mit Sicherheit eine Überlegung steckt. Erst die Untergründe, die schwierig und schroff für die Füße sind. Denn dann fühlen sich die weichen Untergründe umso angenehmer an. Am coolsten fand ich die Blätterstationen. Man macht sich ja keine Gedanken darüber, wie es sich anfühlt, über Blätter zu laufen, denn wer läuft schon barfuß im Herbst. Aber es ist ein echt interessantes Gefühl. Außerdem wurden damit auch Gerüche freigesetzt, die typisch für den Wald und sehr angenehm waren. Wir kamen an eine Gabelung und waren nicht sicher, wo es nun lang ging. Wir entschieden uns, erst einmal am unteren Weg zu schauen, was es dort gibt und gegebenenfalls umzukehren. Wir passierten ein deutsches Pärchen, welches eine private Vorlesestunde im Gras abhielt und gelangten zu einem Schlammbecken. Wir wateten durch den wohltuend kühlen Matsch - ein grandioses Gefühl. Mit schlammigen Füßen gingen wir die kleine Wiese zurück, wieder am deutschen Pärchen vorbei und nun die obere Weggabelung entlang. Am Ende gab es ein Wasserbecken, durch das man durchläuft, um seine Füße zu säubern. Das klappte auch nur bedingt - der Schlamm war hartnäckig. Für mein Empfinden hätte das Becken ruhig tiefer sein können, damit auch die Waden eine wohltuende Abkühlung bekommen könnten. Aus dem Wasserbecken heraustretend kam nun das Handtuch zum Einsatz. Ich trocknete meine Füße, während ich Kathi sagen hörte: "Unsere Handtücher sind weg!" Die beiden ließen ihre Füße von der Sonne trocknen, während wir die Strahlen auch im Gesicht genossen. Nachdem ich mein Handtuch wieder an der Rezeption abgegeben und wir uns für den Verlust der beiden anderen Handtücher entschuldigten, liefen wir die Straße zurück zum Auto.

 

> Prazeres, Barfußpfad

 

Der nächste Halt war in Calheta. Die Beschilderung fanden wir etwas verwirrend. In einem Moment dachten wir, wir wären schon im Ort, dann gab es wieder ein Schild, welches eine Richtung nach Calheta angab. Wir wollten zur Zuckerfabrik und zum Strand. Die Zuckerfabrik haben wir leider nicht gefunden. Es war aber auch schon recht spät inzwischen. Wer weiß, ob wir da überhaupt noch was zu sehen bekommen hätten. Den Weg zum aufgeschütteten Strand haben wir jedoch gefunden - immer Richtung Meer. Wir machten es uns mit Handtüchern auf dem marrokanischen Sand gemütlich. Ich dachte, ich versuche mal mein Glück und teste die Temperatur des Wassers, vielleicht könnte man ja baden gehen. Weiter als bis knapp übers Knie habe ich es jedoch nicht geschafft. Es war tatsächlich ganz schön frisch. Also begab ich mich zurück aufs Handtuch und genoss die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Nach einer dreiviertel Stunde Bräunungsversuch gingen wir zurück zum Auto und steuerten unser letztes Ziel für diesen Tag an.

 

Wir wollten den Sonnenuntergang am Cabo Girao sehen - die höchste Steilklippe Europas, wie ihr inzwischen wisst. Da ich ja bereits einen Abend zuvor am Ponta do Sol war, entschieden wir uns heute für das Cabo Girao. Wir kamen gerade noch rechtzeitig. Ich war jedoch etwas langsam mit der Kamera, sodass ich wieder nur die Wolke mit der untergehenden Sonne erwischte. Danke an der Stelle für die Schnelligkeit von Kathi, die damit ein tolles Foto festhalten konnte. Leo und ich bestaunten gerade noch die Aussichtsplattform mit Glasboden und fragten uns, ob wir uns da wohl drauf trauen sollten, während Kathi bereits fröhlich darauf herumsprang, da kam eine Frau, die sagte, sie würden eigentlich um 19 Uhr schließen, wir hätten noch 5 Minuten. Ein Deutscher, der unsere skeptischen Blicke bezüglich der Glasplatte sah, begann ebenfalls darauf herumzuspringen und sagte: "Das ist doch alles stabil, ihr braucht keine Angst zu haben." Schließlich traute ich mich und ging sogar bis zum Geländer. Der Blick die Klippe hinunter ist schon ein einmalig cooles, wenn auch leicht angstbehaftetes Gefühl. Nach einer Weile auf der Glasplatte legt man aber doch die Angst ab. Leo hielt sich immer noch am inneren Geländer fest und traute sich nicht. Inzwischen war außer uns nur noch ein Pärchen mit Kamera auf Stativ übrig, die den Sonnenuntergang einfangen wollten. Ich hakte Leo bei mir im Arm ein und führte sie über die Plattform. Für einen Moment war das auch in Ordnung, doch dann fühlte sie sich doch ohne Glas unter ihren Füßen sicherer. Kathi kam letztlich noch auf eine coole Foto-Idee. Einfach mal auf den Boden legen. Somit liegt man quasi direkt über dem Abgrund. Wir hielten dieses Motiv mit der Kamera fest, da packten wir unsere Sachen und liefen Richtung Ausgang. Währenddessen überlegte Leo laut, wie lange man wohl im freien Fall unterwegs wäre, wenn man die Klippe hinunterfiele. Kathi und ich waren überzeugt, dass es nur einige Sekunden waren. Leo konnte das nicht so ganz glauben. Die Abschließ-Dame kam uns entgegen und verscheuchte das Pärchen wohl, während wir am bereits abgeriegelten Tor warteten. Die drei kamen in Begleitung zweier Hunde zum Tor. Die Dame öffnete uns und schloss hinter uns wieder. Ich vermute, dort wird nachts abgeschlossen, damit sich niemand - aus Absicht oder Dummheit - in den Tod stürzt.

 

> Strand Calheta & Cabo Girao

 

Mit Hilfe meines Navis (mit dem Straßennamen vom Parkplatz verfuhr ich mich auch nicht mehr) fuhren wir zurück zum Hostel. Die Mädels und ich überlegten uns, ob wir noch weggehen wollten. Doch ich war sehr geschafft von diesem ereignisreichen Tag. Meine Waden schmerzten unglaublich. Außerdem sollte die Tour am nächsten Tag zum Sonnenaufgang starten. Also benötigte ich definitiv etwas Schlaf. Nachdem ich mir mein Abendessen in Form von drei riesigen Eiskugeln gönnte (Nutella, Cookies & Torta Deliciosa), begab ich mich ins Bettchen, Schafe zählen.


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