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In der Wolkensuppe quer durch den Dschungel


Nach einer kurzen Nacht war ich am nächsten Morgen erstaunlich fit. Erneut begann die heutige Tour im dunklen  Morgengrauen. Das Ziel war wieder, mit einem wunderschönen Sonnenaufgang in den Tag zu starten. Und zwar von einem ganz besonderen Ort - dem Pico do Arieiro. Die dritthöchste Erhebung Madeiras versprach laut den Fotos in meinem Reiseführer einen spektakulären Ausblick. Wir fuhren relativ pünktlich los. Doch sobald wir das Bergland erreichten, schwante uns, dass es auch heute keinen Sonnenaufgang zu sehen geben würde, denn die Berggipfel waren wolkenverhangen. Ich hegte noch die Hoffnung, dass wir auf der Spitze des Pico do Arieiro vielleicht über den Wolken herauskommen würden. Erstmal hieß es aber, hoch kommen. Und das gestaltete sich ab einer gewissen Höhe seeeehr langsam. Denn nun fuhr ich mitten IN der Wolke. Ich konnte kaum 10 Meter weit gucken. Schneller als 20km/h war nicht drin, sonst hätte ich die starken Kurven direkt am Abgrund nämlich nicht gesehen. Diese Fahrweise erforderte höchste Konzentration von mir. Kathi und Leo bestärkten mich jedoch mit der Aussage: "Du machst das echt gut, Carina! Wir fühlen uns sicher!" Madeira zeigt einem wirklich, ob man ein guter Autofahrer ist. Fast am Parkplatz auf dem Gipfel angelangt, kam uns doch tatsächlich ein anderes Auto entgegen. Irritiert dachte ich laut: "Na da hatte wohl jemand den gleichen Gedanken wie wir und hat keine Sonne zu Gesicht bekommen..." Naja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Also folgten wir weiter unserem Plan. Erst bin ich am Parkplatzschild vorbeigefahren. Leo überprüfte schnell, ob es auf dem Weg noch einen anderen Parkplatz gäbe. Doch unser Zielparkplatz war der einzige weit und breit. Also drehte ich ganz behutsam um auf der schmalen, kurvigen Straße (ein anderes Auto war bei dem Wetter um diese Uhrzeit eh nicht zu erwarten) und bog rechts auf den Parkplatz. Dieser war komplett leer - und furchtbar schief. Ich stellte das Auto quer zum Anstieg ab. Die Anzeige im Wagen teilte mir mit, dass es ganze 2°C kalt war. Heute wärmer eingepackt als am Vortag stiegen wir aus und wurden abermals von einem kräftigen Wind begrüßt. Ich zog die Kapuze meines Pullis, den ich unter der Jacke trug, über meinen Kopf, wodurch es direkt wärmer wurde. Am Parkplatz stand ein großes Haus, in dem zu einer anderen Tageszeit wohl Gastwirtschaft betrieben wird. Wir stiegen die Treppe hinauf und gingen bis zum Holzgeländer. Der erwartete Sonnenaufgang war natürlich nicht zu sehen. Stattdessen sah ich: weiße Wolkensuppe. 1818 m über dem Meeresspiegel standen wir mitten in einer Wolke. Hinter dem Holzgeländer sah man: absolut nichts!!! Bei klarer Sicht hat man hier bestimmt einen tollen Blick über das Bergland. Ich hatte ein Déjà-vu vom Cape Reinga in Neuseeland. Ich wollte so gern das Fotomotiv aus allen Reiseführern selbst mit meiner Kamera einfangen: den Wegweiser, der mit seinen gelben Schildern in alle Richtungen der Welt zeigt. Auf dem Foto, welches ich aufgenommen hatte, waren jedoch keine Schilder mehr am Wegweiser. Alle abgebrochen vom Sturm.

Den Wanderweg zum 20 Minuten entfernten Aussichtspunkt, den ich eigentlich eingeplant hatte, haben wir uns auf Grund der Tatsache geschenkt, dass man kaum seine eigene Hand vor Augen sehen konnte.

Während wir zurück zum Auto liefen, trafen wir die Entscheidung, uns auch die Fahrt zum höchsten Gipfel der Insel, dem Pico Ruivo, zu sparen, da wir dort wohl in einer ähnlichen Wolkensuppe hängen würden anstatt einen tollen Ausblick zu genießen.

 

> Pico do Arieiro

 

Als wir den Pico do Arieiro wieder hinunterfuhren, entdeckten wir wie schon so oft auf der Insel eine der vielen Parktaschen. Wir hielten, denn wir wollten einmal schauen, ob man hier vielleicht eine halbwegs bessere Sicht hätte als weiter oben. Hatten wir nicht! Allerdings war da ein cooler Steinhügel, auf welchem man das saftige Grün erahnen konnte. Direkt beim Auto standen interessante Gräser. Sie wirkten irgendwie weich, wie sie so vom Wind verweht wurden. Einen weiteren Halt legten wir an einer Stelle mitten auf den Serpentinen ein. Wir hatten einen wundervollen Blick auf den Gipfel, von dem wir gerade kamen und der immer noch wolkenverhangen war. Die Sonne versuchte sich nun an einigen Stellen hindurchzukämpfen.

 

> Aussichtspunkte auf dem Weg nach Santana

 

Während unserer Weiterfahrt entschieden wir uns, vor unserer großen mehrstündigen Wanderung in Santana zu frühstücken. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch ein Waldgebiet, welches ebenfalls von Wolken durchtränkt war. Irgendwie begeisterte mich dieser Anblick. Wir hielten ein weiteres Mal, um diese mystische Atmosphäre auf Fotos festzuhalten. Ich fühlte mich wie in einem Feenwald. Und dann auch irgendwie wie in Fluch der Karibik. "Mich würde nicht wundern, wenn die Black Pearl gleich um die Ecke kommt!" sagte Kathi. Ich rechnete eher damit, dass jeden Moment ein Fabelwesen hinter einem Baum hervorspringen würde. Ich war total fasziniert und überlegte wie unspektakulär es an diesem Ort wohl bei hellem Sonnenschein aussehen würde. Inzwischen schmerzte mein rechter Oberschenkel ganz schön doll vom ewigen Bremsen beim bergab Fahren, sodass ich mein Bein in der Kniekehle mit der linken Hand in der Luft halten musste, um meine Oberschenkelmuskulatur zu entspannen, während ich mit der rechten Hand das Auto lenkte.

In Santana angekommen, stärkten wir uns an diesem Morgen in einem anderen Lokal als einen Tag zuvor. Zufällig landeten wir im "O Colmo", welches in meinem Reiseführer gelobpreist wurde. Der Laden war allerdings noch komplett leer als wir eintraten. Die Uhren schienen hier nicht so früh gestellt zu sein wie unsere. Erneut mussten wir um etwas warme Küche bitten, da es hier einfach zu zeitig dafür war. Der Koch ließ anscheinend mit sich reden. Ich aß wieder ein zauberhaft zubereitetes Omelett und genoss einen frisch gepressten O-Saft, sowie einen heißen Milchkaffee. Witzigerweise kamen ständig Personen in das Lokal, die wir am Vortag kennengelernt hatten. Zunächst die Dame aus dem Souvenirladen in der Strohhütte, dann die korpulente Dame aus dem Souvenirladen gegenüber des "A Espiga". Schließlich betrat die Bedienung aus dem "A Espiga" unser Frühstückslokal. Santana schien wirklich ein kleiner Ort zu sein.

 

> mystischer Wolkenwald & Frühstück in Santana

 

Frisch gestärkt konnte es losgehen zu unserer großen Wanderung. Wir fuhren also nach Queimadas. Inmitten von wundervollem Grün stellte ich das Auto auf dem nicht allzu großen Parkplatz ab. Noch standen dort wenige Fahrzeuge. Das sollte sich aber bald ändern.

Der Startpunkt der Wanderung sah aus wie einem Märchen entsprungen. Ein Baum in voller pinker Blütenpracht mit einem Holzgeländer inmitten saftigen grünen Dschungels raubte mir den Atem. Ein paar Schritte weiter zeigte uns das hölzerne Schild den Weg zum Caldeirao Verde. Ein altes Forsthaus markierte den Beginn der Wanderung. Es lag immer noch Nebel in der Luft. Wirklich märchenhaft.

Wir passierten eine kleine Brücke über einen kleinen Wasserlauf, an welchem Miniaturausgaben der Strohdachhäuser standen. Dann sah ich auch schon die Levadas. Das ist das Wasserversorgungssystem der Insel, bestehend aus Minikanälen. Auf Madeira gibt es einige Levadas-Wanderungen. Man folgt einfach den Kanälen durch den Dschungel. Anfangs war der Weg noch recht breit, von vielen Wurzeln und Steinen übersäht und an einigen Stellen etwas matschig. Witzig formierte Bäume säumten den Pfad, der langsam immer schmaler wurde. Die Bäume schienen nun kreuz und quer zu wachsen. Aus den Felsen über uns wuchsen sie horizontal bis schräg nach unten. Wenn man dann den Abgrund hinunter schaute, wirkte es eher als würde man in einen Wald hineinblicken.

An manchen Stellen verengte sich der Weg derart, dass links von der Levadas nur erhabenes Vulkangestein stand. Rechts davon befand sich der Pfad, der genauso schmal war wie die Levadas. Ein Geländer mit Drahtseilen sollte als Absperrung zum dahinter liegenden Abgrund dienen. An so mancher Stelle waren die Drahtseile jedoch nicht mehr straff gespannt oder gar ganz ausgerissen. Ich vermied es, in die Tiefe zu schauen. Stattdessen blieb mein Blick auf dem Weg haften. Für diese Wanderung sollte man definitiv schwindelfrei sein.

Auf dem weiteren Weg umarmte und küsste ich einen quer über den Pfad wachsenden Baum - einerseits, weil ich die Natur liebe, andererseits um von einem Kommentar meines losen Mundwerkes abzulenken, der die liebe Kathi laut Leo etwas beunruhigt hätte. Die Ablenkung funktionierte (danke für das naturelle Knutschbild, liebe Kathi).

In den Steinen, aus denen die Levadas gebaut waren, entdeckte ich eine eingeritzte 1937. Ich vermutete, dass die Zahl das Baujahr repräsentierte.

 

> Levadas-Wanderung von Queimadas nach Caldeirao Verde

 

Nun gelangten wir zu dem ersten von vier Tunneln. Selbstverständlich war ich wie immer vorbereitet und holte meinen extra dafür angeschafften Handscheinwerfer aus meinem Rucksack. Der brachte auch ausreichend Licht im tiefen Dunkel der Gesteinshöhlen. Da wir allerdings zu dritt nur hintereinander laufen konnten, weil die Gänge furchtbar schmal waren, musste auch die Handytaschenlampe hinzugenommen werden. Ansonsten hätte man wirklich nicht erkennen können, wohin der nächste Schritt gegangen wäre. Die Tunnel waren eng und an einigen Stellen so niedrig, dass man nur in Hocke entlanglaufen konnte. Manche waren gekennzeichnet von nacktem, kahlem Gestein, andere waren überwuchert von saftig grünen Pflanzen. Im letzten Tunnel gab es dann einen Punkt, an dem die Decke so niedrig war, dass ich mir den Kopf stieß. Mein Schädel brummte für einen Moment, aber das entspannte sich wieder recht schnell. Zwischen den verschiedenen Tunneln liefen wir durch zwei riesige Gesteinsbrocken, die mich irgendwie an eine Szene aus "Twilight" erinnerten. Außerdem passierten wir einen großen Wasserfall, durch welchen der Weg quasi durchführte. Ich hielt meine Arme schützend über meine Kamera. Inzwischen hatte ich durch die hohe Luftfeuchtigkeit und ständigen von oben tropfenden Wasserläufen feuchte Haare und große Tropfen auf meiner Brille. Der Levadas-Weg führte unter einem Felsvorsprung entlang, an dem es von oben herabregnete. Der Blick durch das herunterströmende Wasser bestätigte erneut das absolute Dschungel-Feeling. Ein Stück weiter regnete es ebenfalls von der Felswand. Diesmal allerdings nah am Stein. Dennoch konnte man sich hier erfrischen. Alles, was hier durch das Grün herabströmte, war Trinkwasser.

Wenn ich den Blick vom schmalen Gesteinspfad den Abhang hinunter in die Weite des Waldes wandern ließ, spielte mir meine Wahrnehmung einen Streich. Der Wald in der Ferne machte den Eindruck, als würde er sich zum Blickmittelpunkt zusammenziehen. Mir wurde davon schwindlig. Aber einen Moment später beruhigte sich mein taumelnder Kopf wieder und ich konnte die wunderschöne Aussicht genießen. Dicke Nebelschwaden stiegen aus den dicht bewachsenen Tälern hinauf.

An einem Fleck waren so viele verschiedene Farben und Materialien natürlicherweise entlang des Pfades verbaut, wie man sie eigentlich nur in einer Designerwohnung eines Innenarchitekten finden würde.

 

> Levadas-Wanderung von Queimadas nach Caldeirao Verde

 

Inzwischen waren wir 2,5 Stunden unterwegs und mein Magen begann zu knurren. Menschen, die uns zuvor überholt hatten, kamen uns nun wieder entgegen. Eine schwierige Angelegenheit, da der Weg ja nur sehr schmal ist an vielen Stellen. Nur durch das Abstützen des Fußes im Gestein und Anschmiegen an die Felswand war ein Vorbeikommen möglich. Endlich kamen wir am Caldeirao Verde an. Zunächst sah man, wie klares Wasser über ein Steinmeer strömte. Suchte man sich einen Weg über diese recht großen Steine stromaufwärts und folgte einigen in Erde eingelassene Treppenstufen, erreichte man den riesigen Wasserfall, der das Ziel unserer Wanderung war. Während wir beim Anblick dieses tollen Naturschauspiels verschnauften, warf ich mal die Frage in den Raum, ob wir denn noch weiter zum Caldeirao do Inferno wollten, welches weitere 1,5 km eine Strecke bedeuten würde. Einstimmig lag in der Luft, dass wir zu kaputt dafür waren. Und wir mussten den ganzen Weg immerhin wieder zurückgehen, da es kein Rundwanderweg war. Wir liefen die Steine im Wasser entlang zurück stromabwärts und hockten uns auf eine im Vergleich zur Breite des Wanderweges recht große Freifläche, um zu rasten. Ich verteilte an jeden einen Joghurt mit Honig, Äpfel und Mandarinen. Während wir uns stärkten, kam eine Touristengruppe gerade am Wanderziel an. Und wir trauten unseren Augen nicht. Ein Mann musste sich erstmal direkt am Wasserlauf erleichtern, eine Frau verspürte unverzüglich das Bedürfnis, sich erstmal eine Zigarette anzustecken. Klar, wenn man mitten im Dschungel die Schönheit der Natur genießt, nachdem man fast 3 Stunden gewandert ist, intensiviert eine Zigarette natürlich dieses Erlebnis.

 

> Caldeirao Verde

 

Wir traten also den Rückweg an. Dieser ging auch um einiges flotter. Immerhin hielten wir nun nicht ständig für gefühlte tausend Fotos an. Wobei die ein oder andere Aufnahme doch noch mit der Kamera festgehalten wurde, sah der Dschungel aus dieser Perspektive nun wieder ganz anders aus. Außerdem fühlte sich der Boden überall nasser und matschiger an, die Luft wurde zunehmend weißer, sodass wieder ein mystisches Gefühl bei mir aufkam. Als wir (nach insgesamt 5 Stunden) endlich wieder am Startpunkt angelangt waren, mussten wir unseren siegesreichen Erfolg fotografisch festhalten (danke dafür, Kathi!). Schnell noch die Schuhe etwas gesäubert in den Levadas, um das Mietauto nicht komplett zu verdrecken und schon ging es zurück ins Auto. Ich war so glücklich, endlich sitzen zu können. Mein Rücken dankte es mir merklich. Beim Ausparken dachte ich schon wieder laut, wie blöd manche Menschen eigentlich sein müssen, wenn sie in ihrem kleinen Auto nicht aus ihrer Lücke kommen und darauf warten, dass ich erstmal ausparke. Die schmale Straße den Berg hinunter spürte ich meine Oberschenkelmuskulatur nun extrem beim Abbremsen. Damit ich also im bergigen Land nicht so viel Schmerzen im Bein erleiden musste, hielten wir Ausschau nach der Schnellstraße, die nach Funchal führte. Über diese waren wir auch schnell wieder zurück in unserem Domizil.

 

> Rückweg nach Queimadas

 

Ich hatte so einen riesigen Hunger, dass ich erstmal ein Bolo do Caco mit Chorizo und frischer Knoblauchbutter zu mir nahm. Und das war einfach nur grandios. So simpel und doch so lecker.

Inzwischen kam die Sonne zum Vorschein und es wurde sogar noch angenehm warm. Ich entschloss mich, mich in mein Sommerkleid zu werfen und noch etwas an der Marina entlangzuschlendern, dort in mein Reisetagebuch zu schreiben und einen der roten Briefkästen für meine Postkarten zu finden. Ich wollte noch ein wenig die Meeresluft und den Ausblick auf die Boote genießen, die im Hafen lagen. Es war dann aber doch etwas frisch. Ich ging zurück ins Hostel und zog mich doch etwas bekleideter an bevor ich mich mit Leo und Kathi an der Markthalle traf, um gemeinsam Abendessen zu gehen. Wir gingen in das "Venda da Donna Maria", in welchem die zwei Mädels bereits zwei Abende zuvor speisten. Wir nahmen draußen auf der Rua de Santa Maria an einem Tisch des Restaurants Platz. Rechts von uns am Tisch: Deutsche. Links von uns am Tisch gesellten sich: Deutsche. Das ging mir schon wieder etwas gegen den Strich, aber gut. Ich war gespannt auf weitere typisch madeirische Gerichte, die ich vorhatte zu probieren. Wir starteten mit Knoblauchbrot, welches wirklich fantastisch schmeckte. Wir teilten uns eine Acorda. Das ist eine traditionelle Brotsuppe. Also quasi Wasser mit Kräutern, jeeeeede Menge frischer Knoblauch und darin aufgeweichtes Brot. Die Mädels meinten, zwei Tage zuvor hätte die Suppe besser geschmeckt. Vielleicht war das nicht der Tag der Küche. Ich fand das Gericht auf jeden Fall ziemlich wässrig. Ich hatte den Eindruck, die Flüssigkeit hatte nicht den Geschmack der Kräuter angenommen.

 

> Bolo do Caco & Acorda

 

Nach der Suppe....warteten wir. Seeeeehr lange. Während wir warteten und den ein oder anderen Lachflash bekamen (vor allem weil ich Kathis bayrisch so amüsant fand), torkelte ein obdachloser Mann von Tisch zu Tisch, um sich Kleingeld zu erbetteln. Dummerweise trug der Herr bereits zwei Kartons Rotwein im Arm, sodass sich das Mitleid und die Bereitschaft, ihm Geld zu geben, minimierte. Der Mann schien sehr zuversichtlich, an unserem Tisch etwas zu bekommen. Jedenfalls wollte er irgendwie nicht gehen. Er setzte immer mal wieder an, diskutierte dann aber wieder mit uns, was irgendwie einseitig war, da wir ja kein Portugiesisch sprechen. Leo, die mit dem Rücken zu ihm saß, wurde furchtbar unruhig, weil er ständig hinter ihr stand. Ich merkte, wie ich langsam aggressiv wurde. Ich fand das furchtbar unverschämt. Er belästigte im Anschluss auch die Deutschen am linken Nebentisch bis der Kellner darauf aufmerksam wurde und ihn verjagte. Derselbe Kellner erhielt trotzdem keinerlei Trinkgeld von uns, auch wenn das in Portugal normal ist. Denn nachdem wir ewig auf unser Essen warteten - und ich als langsamste Esserin von allen bekam gefühlte Stunden später meinen Ziegenfleischtopf als die Mädels ihre Speisen - kam der Kellner tatsächlich nach einer Weile, hob den Deckel von meinem Topf, schaute hinein und warf mir einen Blick zu, der sagte, ich könne mich ja wohl mal ein bisschen beeilen. Als der Kellner nach dieser Aktion unseren Tisch wieder verließ, schauten wir uns nur sprachlos an. "Das hat der jetzt nicht wirklich gemacht!?" hörte ich mich einen Moment später sagen. Der Ziegenfleischtopf hat schon lecker geschmeckt, allerdings ging mir das ganze Gepule auf den Keks, ohne wirklich viel Fleisch vom Knochen zu bekommen. Nachdem wir unsere Rechnung ohne Trinkgeld zahlten, wollten wir gern noch einen Poncha irgendwo trinken. Wir passierten einen Souvenirladen, der diese kleinen Fläschchen mit madeirischem Alkohol verkauften. Also kauften wir vier Fläschchen (Poncha, Madeirawein, Bananenlikör und einen Likör mit irgendeiner Beere) und schlenderten lachend und trinkend durch die Gassen der Zona Velha. Zurück im Hostel angekommen, blieb ich noch einen Moment im Zimmer der beiden zum Quatschen. Ich ließ häufiger verlauten, dass ich noch nicht zurückwollte, sondern lieber auf Madeira bleiben, weil es dort einfach so schön sei. Letztlich musste ich mich aber doch alsbald ins Bett bewegen (und vorher noch Koffer packen). Schließlich ging mein Flug recht früh am nächsten Tag.


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Kommentare: 1
  • #1

    Leona (Dienstag, 21 November 2017 15:03)

    Carinaaa es hat so viel Spaß gemacht haha ich liebe deine seite :D