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7 Farben, wilde Affen und eine Auto-Segnung


Dieser Morgen begann sehr entspannt, da mir buchstäblich alles weh tat. Die Wanderung vom Vortag hatte es wirklich in sich. Also genoss ich erstmal ganz in Ruhe mein Frühstück. Dabei leistete mir ein Vogel mit Stietz Gesellschaft. Für mich sah er aus wie ein kleiner Rockstar, der mir noch häufiger auf Mauritius begegnen würde. Ich wollte mich gern in der Hängematte ausruhen. Doch Tuffy hatte anderes im Sinn. Sie wollte mich wohl zum Spielen bewegen und sprang auf mich in der Hängematte.

 

Auf dem Weg zur Dusche erhielt ich von meiner Schwester die Nachricht, dass sie mit ihrem Freund nun auf dem Weg nach Köln und somit schon fast Richtung Mauritius unterwegs wäre. Ich wollte dann irgendwie was sinnvolles mit dem Tag anfangen und fragte bei der Surfschule nach, ob ich mich denn heute dem Erlernen der Surfkunst widmen könnte. Sie waren aber leider schon ausgebucht. Normalerweise vergaben sie keine Termine. Ich hatte trotzdem einen bekommen für übermorgen, 9 Uhr - mein letzter Tag in Tamarin. Dabei war mein ursprünglicher Plan, jeden Tag surfen zu üben. Der Plan ging wohl nicht so ganz auf. Während ich schließlich meinen Kameraakku laden ließ, schaute ich, welchen Ausflug ich heute noch in Angriff nehmen könnte.

 

Ich hatte meinen Reiseführer, mein Reisetagebuch inklusive Kuli und meinen Zimmerschlüssel neben der Hängematte auf dem Boden liegen. Scheinbar hatte Tuffy großes Interesse an meinen Habseligkeiten. Zuerst schnupperte sie nur rum, dann fing sie an, an meinen Sachen herumzuknabbern. Als ich meinen Kram schützend aus dem Weg räumen wollte, hatte sie das wohl als Aufforderung zum Spielen verstanden. Die nächste viertel Stunde wurde ich Tuffy nicht mehr los. Sie sprang immer wieder an mir hoch. Wegschieben heizte sie nur noch mehr an. So knabberte sie auch spielerisch an meinen Händen und Armen herum. Wie Hunde das im Spiel eben machen. Davon habe ich lediglich ein paar Kratzer getragen. Hunde haben ein sehr feines Gespür dafür, wie sehr sie zubeißen können im Spiel, damit sie den Gegenüber nicht verletzen.

Irgendwann richtete sich Tuffys Aufmerksamkeit auf etwas anderes, sodass ich meinen Plan schmieden konnte, zum Grand Bassin und nach Chamarel zu fahren. Da Wes heute nichts vor hatte, schlug er vor, mitzukommen. Ich hatte also wieder einen Fahrer, der sich auskannte. Wir chillten noch bis ca. 12.30 Uhr in den Hängematten, dann suchten wir uns was zu essen. Wes kannte einen Stand direkt unten am Strand, an dem asiatische Nudeln mit Rindfleisch verkauft wurden. Richtig lecker! So wie überall bekam Wes mal wieder einen Sonderpreis, weil er die Verkäuferin gut kannte.

 

Nun konnte es los gehen zum Grand Bassin. Wir fuhren am "Affenfelsen" vorbei. Der hieß so, weil er wie das Gesicht eines Affen aussah. Diesen könnte man aber nicht besteigen, ließ mich der fahrende Bergkenner wissen. Wir hielten an einer Shiva-Statue, die für meine Begriffe recht unfreundlich dreinschaute. Da ich den Kopf der Kobra, die um den Hals geschlungen war, nicht sehen konnte, hielt ich das Tier für einen Oktopus. Wesley lachte herzhaft und nannte mich fortan nur noch Oktopus.

An der zweiten Statue, die in ein Gerüst gehüllt war, wurde wohl schon vier Jahre lang gebaut. Ich musste kurz an den BER denken.

 

> Hindustatuen auf dem Weg zum Grand Bassin

 

Auf der Weiterfahrt erzählte mir Wesley die Geschichte von einem Taxifahrer, der seinen Fahrgast einfach zu irgendeinem See gebracht hatte und meinte, es sei das Grand Bassin. Der Fahrgast schaute allerdings auf seine GPS-Daten im Telefon und meinte, das könne nicht sein. Der Taxifahrer, der die Fahrt hochpreisig angeboten hatte, beteuerte, sie wären am Grand Bassin. Nur entdeckte der Fahrgast nicht die Tempel und Gottesstatuen, die ich gleich zu sehen bekommen sollte.

Am heiligen Hindu-See angekommen, fuhren wir erst am Parkplatz vorbei und mussten nochmal umdrehen. Während Wesley wendete, fragte er mich "Hast du gesehen? Da wird gerade ein Auto gesegnet." Lachend verneinte ich. Ich dachte, er würde mich veralbern. Doch als wir umkehrten, fuhren wir tatsächlich an einem nagelneuen Auto vorbei, um die gerade einige Hindus liefen und das Auto mit heiligem Wasser besprenkelten. Wes klärte mich auf, dass ein neues Auto gesegnet werden würde, damit es vor Unfällen geschützt wäre. Fassungslos klappte mein Kiefer herunter. Von einer Autosegnung hatte ich tatsächlich noch nie gehört.

 

Wir stiegen aus und liefen an den See. Wesley erklärte mir, dass es einen Pilgerweg gäbe, den die Hindus entlanglaufen würden. Wir wurden von deutschen Touristenkindern empfangen, die mit Katzenbabys spielten. Sie wollte am liebsten alle einpacken und mitnehmen. Im Wasser standen bunt bemalte Götterstatuen, denen man Opfergaben hinlegen konnte. Die gesamte Atmosphäre hatte schon etwas sehr friedliches an sich. Im Tempel selbst hatte ich dann aber wieder ein Gefühl von Touristenabzocke. Man konnte sich im Namen von Shiva segnen lassen. Dazu wurde einem ein Punkt auf die Stirn gemalt, Räucherstäbchen in der Luft gewedelt und irgendwelche Worte dazu gesprochen. Für Hindus hat das sicherlich einen hohen Wert. Das möchte ich nicht absprechen. Eine solche Segnung gehört zu der Religion dazu. Doch etwas für diese Segnung zu bezahlen, wenn man der Religion nicht angehörig ist, finde ich irgendwie sehr merkwürdig und machte für mich eher den Eindruck einer Touristenattraktion. Im Gegensatz zu einer Familie mit zwei Kindern ließ ich mich nicht segnen. Vielleicht war ja deswegen auch mein Auto kaputt, als ich aus Mauritius zurück kam.

 

> Grand Bassin

 

Wir machten uns wieder auf den Weg. Unser nächstes Ziel war die siebenfarbige Erde in Chamarel. Doch zunächst fiel uns eine Gruppe von wilden Makaken am Straßenrand auf. Mir fiel ein, dass ich noch Bananen vom Vortag in meinem Rucksack hatte. Wir hielten also an und versuchten die Äffchen mit den Bananen anzulocken. Sie waren allerdings sehr scheu und sahen auch sehr ungepflegt, im Zweifel sogar krank aus. Zu nah ran wollten wir also sowieso nicht. Wilden Affen zu begegnen, die nicht an Menschen gewöhnt sind, ist ein ganz anderes Erlebnis als welche im Zoo oder Touristengebieten anzutreffen. Als sich die Makaken in den Dschungel zurückzogen, folgten wir ihnen noch so weit wie möglich. Doch schon bald waren sie außer Sicht, sodass wir unsere Reise wieder aufnahmen.

 

> Begegnung mit wilden Makaken

 

Der siebenfarbigen Erde stand ich sehr skeptisch gegenüber. Ich hörte sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem überlaufenen Touristenmagneten. Die einen Stimmen sagten, es sei absolut sehenswert. Die anderen meinten, es wäre sowohl Zeit- als auch Geldverschwendung. War eine wellige Fläche aus buntem, vulkanischem Gestein wirklich so aufregend, dass man sie unbedingt gesehen haben musste? Meine Antwort darauf: Wenn man genügend Zeit hat, um auch andere Sachen zu besichtigen, kann man sich die siebenfarbige Erde schon anschauen. Sie ist allerdings nicht so spektakulär, dass ich sie auf der Prioritätenliste der Sehenswürdigkeiten ganz nach oben setzen würde. Erste Attraktion war jedoch erstmal der Wasserfall von Chamarel. Man schaut ihn sich von einem Aussichtspunkt aus an. Durchaus ein netter Anblick, aber nach meinem Wasserfall-Erlebnis am Vortag wenig spektakulär. Wir mussten ein paar Treppen entlanglaufen. Dabei schmerzte jeder Schritt. Die Wasserfall-Wanderung hatte definitiv ihre Spuren hinterlassen. Als wir den Parkplatz vom Wasserfall verließen und weiter zum Parkplatz der siebenfarbigen Erde fuhren, fiel mir die große Anzahl an touristischen Reisebussen auf. Ich musste an die gebuchte Tour in den Süden mit Schwester und Schwager in ein paar Tagen denken. Ich hoffte inständig, dass wir nicht auch mit so vielen Menschen unterwegs sein würden. Davor graute mir. Es kam jedoch glücklicherweise ganz anders.

 

> Wasserfall von Chamarel

 

Endlich an der siebenfarbigen Erde angekommen, schlenderten wir in Ruhe den Weg um die Attraktion. Der wellige Vulkanboden in Orange-, Lila-, Rot- und Brauntönen wirkte ganz weich und geschmeidig. Stattdessen war er aber steinhart. Je nach Aussichtspunkt und Sonnenstand konnte man unterschiedlich viele Farben ausmachen. Ob es aber tatsächlich sieben waren, konnte ich nicht sagen. Deprimierend fand ich allerdings den Anblick der Riesenschildkröten, die hier in einem viel zu kleinen Gehege lebten. Sie sahen allesamt recht unglücklich aus. Die Rettung dieser Spezies unterstütze ich ja. Allerdings sollten sie dann auch artgerecht gehalten werden. Und diese Tiere brauchen jede Menge Auslauf. Nachdem wir genügend Eindrücke gesammelt hatten, machten wir uns langsam auf den Rückweg. Noch auf dem Gelände von Chamarel hielt Wesley am Straßenrand. Er wollte mir die Traveler's Palm zeigen - also die Palme der Reisenden. Sie erhielt ihren Namen, da sie Wanderer vorm Verdursten schützte. "Falls du dich mal im Dschungel verläufst und kein Wasser mehr hast, such nach dieser Pflanze." klärte mich Wesley auf, während er mir das Geheimnis der Palme zeigte. Die Stiele der Blätter sind so angeordnet, dass sich darin Regenwasser darin sammelt. Das Wasser ist sauber und kann unproblematisch getrunken werden.

 

> siebenfarbige Erde

 

Auf dem Rückweg nach Tamarin legten wir noch eine Pause an einem Aussichtspunkt und an einem Strand ein, dessen Namen ich allerdings nicht mehr weiß. An den Kanonen und Türmen konnte man erkennen, dass dies wohl mal ein Verteidigungsort gewesen sein musste. Mit gutem Essen entspannten wir in Gesellschaft einiger Vögel eine Weile am Strand. Um diesen vor Erosion zu schützen, wurde ein Schutzwall aus Sandsäcken aufgebaut. Hier zeigten sich also schon die Ausmaße der weltweiten Problematik vom dahinschwindenden Rohstoff Sand, der in vielen Teilen unserer Erde sogar illegal erbeutet wird.

Die Sonne senkte sich langsam am Horizont und wir fuhren zurück ins "Chez Jacques". Als Wesley und ich wieder einmal mit Bierchen Schach spielten, lernten wir die neu angereiste deutsche Psychologin Eva kennen. Sie lud uns zum Abendessen ein, da sie zu viel gekocht hätte. Wir ließen uns die Spaghetti mit Tomatensoße sichtlich munden, während Kuba und Salsa zum Thema wurde. Das war ein sehr schöner, gemütlicher Abend, der im psychologisch fachlichen Austausch mit Bierchen endete.

 

> Aussichtspunkt und Strand


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