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Mit dem Fahrrad zum schönsten Strand der Welt


Heute wollte ich definitiv früh aufstehen. Denn ich hatte mir vorgenommen, zum Sonnenaufgang an den wunderschönen Pudersandstrand zu gehen, um das tolle Licht der aufgehenden Sonne in einem kleinen Bikini-Fotoshooting festzuhalten. Meine erste Hürde bestand allerdings schon darin, aus der Villa Bananier herauszukommen. Der Extraschlüssel verhalf mir aus dem Haus heraus. Doch alle Tore waren zu. Und ich fand keinerlei Möglichkeit, diese zu öffnen. Die Zeit lief, denn das Licht des Sonnenaufgangs ist nur in einem begrenzten Zeitraum nutzbar. Da ich weit und breit niemanden sah, entschloss ich mich trotz Kameraüberwachung über die Mauer zu klettern. Ich stellte wiederum fest, dass Krabben Schisser sind. Vor allem waren die weißen, die mir jetzt am Strand über den Weg liefen, sauschnell unterwegs.

Der Sonnenaufgang enttäuschte mich ein wenig, da abermals diverse Wolken davor herumhingen. Ich wollte mein Shooting dennoch durchziehen. Erst dachte ich, zwei Männer hätten auch die Überlegung, den frühen Morgen am Strand zu nutzen. Doch ich stellte bald fest: Das waren Fischer. Sie liefen durchs Wasser bis zu ihren Booten und fuhren davon. Nach ein paar schönen Motiven, packte ich gerade meine Sachen zusammen, da kam die Sonne doch noch heraus. Kleid also wieder ausgezogen und diverse Einstellungen wiederholt, die nun natürlich eine wesentlich höhere Wirkung hatten. Ich war mit meinem Shooting fertig, da lief gerade ein buddhistisch gekleideter Mann am Strand entlang gen Sonnenaufgang. Das war ein sehr idyllisches Bild.

 

> Fotoshooting im Sonnenaufgang an der Côte d'Or

 

Als ich zur Villa Bananier zurückkehrte, waren die Tore immer noch geschlossen, sodass ich den gleichen Weg hinein nahm, den ich auch hinaus genommen hatte - über die Mauer kletternd. Nach meinem fruchtigen Frühstück machte ich mich auf zur Bushaltestelle. Jetzt stellte ich auch fest, dass es vor dem Zufahrtsweg zur Villa Bananier gar keine Haltestelle gab. Ich lief also ein Stück - gemeinsam mit dem italienischen Pärchen, dem ich am Abend die Sour Soup vermachte. Mein Ziel war die dritte der drei Hauptinseln: La Digue. Das italienische Pärchen erzählte mir, dass sie dort bereits waren und es wunderschön sei. La Digue sei die schönste Insel.

 

> Kurzbericht zur Villa Bananier

 

Im Bus hab ich mich sehr darüber belustigt, dass es hier tatsächlich eine Ticketkontrolle gab. Wie sollte man denn bitte ohne Ticket in den Bus kommen, wenn es nur einen Ein- und gleichzeitig Ausstieg beim Busfahrer gab?

Ich kam an der Fähre an. Auf dieser Überfahrt musste ich mein Gepäck nicht erst einchecken. Es wurde direkt auf das Boot verladen. Ich nahm neben einer indischen Familie Platz und überhörte zwei ältere deutsche Damen, die sich über das Reisen unterhielten. Sie waren als Gruppenreise unterwegs und eine der beiden hatte bereits ihre nächste Gruppenreise geplant, und zwar nach Neuseeland. 29 Tage lang wollte sie die Nord- und Südinsel entdecken. Ich konnte nicht anders als meinen Senf dazuzugeben. Immerhin habe ich über ein Jahr am anderen Ende der Welt gelebt.

Die Überfahrt fand diesmal ohne flaues Gefühl im Magen statt. In La Digue angekommen, erwarteten uns diverse Menschen mit gefühlt 1000 Fahrrädern, die an den Mann gebracht werden sollten. Auf La Digue bewegt man sich nämlich hauptsächlich auf zwei Rädern fort. Daher sprießen die Verleihe nur so. Allerdings hatte ich es von meinen Recherchen so verstanden, dass es hier keine Autos gäbe, sondern nur Fahrräder und Ochsenkarren. Ich wurde jedoch eines besseren belehrt. Ziemlich viele Baufahrzeuge fuhren hier umher, ebenso wie Touristenbeförderungsfahrzeuge, deren Ladeflächen an einen Pferdewagen erinnerten. Von der allgegenwärtigen Reggae-Musik begleitet, lief ich Richtung Unterkunft (Chez Michellin). Als ich es endlich gefunden hatte, wurde mir allerdings mitgeteilt, dass man für mich kein Zimmer hätte, da sie überbucht seien. Da das wohl ständig passieren würde, hätten sie auch meine Kreditkarte nicht belastet. Ich war etwas genervt. Mir lief die Brühe von Kopf bis Fuß. Die Dame sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen, sie hätte mich in einem anderen Bed & Breakfast namens Birgo eingebucht. Sie ließe jemanden kommen, der mich hinbringen würde. Ich erkärte ihr etwas angenervt, dass ich mir ja meine Unterkunft aus einem bestimmten Grund ausgesucht hätte und ich es jetzt nicht so toll fände, einfach woanders hingeschickt zu werden. Ich wollte es mir dennoch erstmal anschauen. Welche Wahl hatte ich schon? Erstmal alle anderen Unterkünfte abklappern? Ich war nur eine Nacht auf La Digue, da wollte ich nicht so viel Zeit verplempern. Ein Jugendlicher nahm meinen Koffer und begleitete mich zu einem solchen Pferdewagen-Bus, welcher mich zur neuen Unterkunft bringen sollte. Mein Genervt-Level stieg tatsächlich noch weiter an als der Weg dorthin schier endlos wirkte. Direkt am Strand würde ich nun jedenfalls nicht nächtigen. Den Namen Birgo konnte ich auch nirgendwo sehen. Stattdessen wurde ich vor "Les Chalets des Palmes" herausgelassen, wo bereits eine Begrüßung auf mich wartete. Mein Zimmer war zufälligerweise schon fertig, sodass ich direkt mein Gepäck abladen konnte. Das Zimmer befand sich in einem Doppelhäuschen. Jedes kleine Haus beherbergte also zwei Zimmer. Es machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck, sodass ich etwas besänftigt war. Hier würde es mir gefallen. Die Dame, die mich empfangen hatte, nahm mich mit ins benachbarte Guesthouse Calou. Sie erklärte mir, dass die beiden Unterkünfte zusammengehörten und servierte mir erst einmal ein leckeres Begrüßungsgetränk im Frühstücksraum. Dazu bekam ich ein gekühltes Handtuch mit einer Zange überreicht. Diese Erfrischung war auch dringend notwendig. Ich erkundigte mich, ob ich hier auch ein Fahrrad ausleihen könnte. Dies war der Fall. Ich bezahlte Zimmer sowie Drahtesel und konnte mit selbigem direkt von dannen ziehen. Die Bremsen funktionierten glücklicherweise, obwohl mein Fahrrad schon etwas rostig wirkte. Auch die Gangschaltung erweckte den Eindruck, dass diese nicht mehr funktionsfähig wäre. Ich wurde jedoch überrascht. Alles funktionierte.

 

> Überfahrt nach La Digue & Unterkunft "Les Chalets des Palmes"

 

Für einen kurzen Moment zog ich mich in mein Zimmer zurück, um einen Plan für meinen kurzen Aufenthalt auf dieser kleinen Insel zu schmieden. Fest stand, dass ich zum schönsten Strand der Welt, der Anse Source d'Argent wollte. Dazu muss man durch eine ehemalige Kokos- und Vanilleplantage, L'Union Estate. An der Zufahrt zahlt man an einem kleinen Häuschen 100 Rupien (ca. 6 Euro) und darf anschließend mit dem Fahrrad durch dieses würzig duftende Areal fahren. Die Luft roch nach Vanille, Zimt, Lagerfeuer und Stockbrot. Es gab einiges zu sehen. So fuhr ich an einem Ochsen vorbei, der in der Kopra-Mühle angebunden auf dem Boden lag und chillte. Kopra ist das Kernfleisch der Kokosnuss, welches so lange gepresst wird bis pures Kokosnussöl herauskommt.

Ich passierte den ältesten Friedhof der Insel, auf dem die ersten Siedler ruhen, und gelangte zu einer Mini-Bootsanlegestelle. Ein doch sehr wohlgeformter Mann wollte dieses schöne Panorama jedoch nicht verlassen und schoss gefühlt tausende Fotos, was meine Geduld strapazierte. Denn ich hätte gerne ein Foto ohne ihn gehabt. Das war allerdings nicht möglich, da er es sich auf der Bank gemütlich machte. Nachdem ich den Ausblick genoss, entdeckte ich eine Hütte, die einen Laden beherbergte. Hier kann man frisch hergestellte Gewürzprodukte erstehen. Ich radelte weiter am Plantation House vorbei und kam an einem Wegweiser an, auf welchem Anse Source d'Argent geschrieben stand. Nur zeigte er keine Richtung. Es war ein simples Schild - an einer Weggabelung. "Geradeaus oder rechts?" fragte ich mich. Ich entschloss mich, geradeaus zu fahren. Hinter einem Berg getrockneter Kokosnussschalen erhob sich der Giant Union Rock zu meiner Rechten. Der macht seinem Namen alle Ehre. Der schwarze Granitfelsen ist nämlich tatsächlich gigantisch. Als ich mich satt gesehen hatte, nahm ich wieder Fahrt auf. Doch irgendwie schien ich nicht den richtigen Weg zu finden. Der Untergrund wurde immer unebener. Eine Kuhherde beäugte neugierig meine Navigationsfähigkeiten. Ein Weg stellte sich als Sackgasse vor einem Wasserlauf heraus, sodass ich an der Kuhherde vorbei zum Giant Rock zurückkehrte und einen anderen Weg ausprobierte. Doch auch dieser war eine Sackgasse und endete an kleinen Häuschen. Ich kehrte um und überlegte, wo ich lang sollte. Ein italienisches Pärchen suchte ebenfalls nach der korrekten Route zur Anse Source d'Argent. Ich dachte pragmatisch, dass man ja gemeinsam herausfindet, wo es denn nun lang ging. Doch das Pärchen schien sich von mir etwas belästigt zu fühlen und wollte den Weg anscheinend allein finden. Ich fuhr nun also an diversen Gewächshäusern vorbei Richtung Gebirge. Ich fragte zwei an der Straße arbeitende Inder, ob ich hier richtig sei. Sie bejahten. Irgendwie hatte ich aber nicht so ein gutes Gefühl, also fragte ich den nächsten Seychellois, der mir über den Weg lief. Er sagte, ich sei hier falsch. Würde ich weiter fahren, käme ich ins Gebirge. Ich müsste zurückfahren und dann links abbiegen. Dann würde ich direkt auf die Anse Source d'Argent zusteuern. So wurde es gemacht. Beim Vorbeifahren rief ich den Indern noch zu, dass sie mir eine falsche Auskunft gegeben hatten. Sie lächelten nur und sagten "OK.". Ich nehme an, sie hatten nicht so recht verstanden. Ich erreichte einen riesigen Fahrradparkplatz, der vollgestellt mit Drahteseln war. Ich wollte mich versichern, dass ich tatsächlich am Ziel angekommen war. Doch die Deutsche, die ich fragte, drehte sich nur um und rief: "Peter, kannst du mal kommen? Ich versteh' die nicht!". Ich fuhr auf deutsch fort. Peter sagte mir, dass man einfach nur dem Weg folgen musste. Den letzten Teil der Anse Source d'Argent könne man wohl nur um einen Granitfelsen herum durchs Wasser watend erreichen. So gar nicht nach seychellischer Art schloss ich mein Fahrrad an und machte mich auf den Weg.

 

> Fahrradtour zur Anse Source d'Argent (L'Union Estate & Giant Union Rock)

 

Zunächst wollte ich einmal komplett bis zum Ende der Bucht laufen, um mir einen Eindruck zu verschaffen und anschließend ein nettes Plätzchen zu suchen. Der sandige Pfad schlang sich zwischen erhabenen Granitfelsen verschiedenster Farben und daraus herauswachsenden Dschungelpflanzen. Richtung Meer stand eine Hütte, in welcher Hochzeitszeremonien abgehalten werden können. Fasziniert stand ich davor und stellte mir vor, wie ich an diesem Ort irgendwann das Ja-Wort geben würde. Die Vorstellung zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht. Das ist definitiv ein guter Platz zum Heiraten.

Meine Schuhe füllten sich so langsam mit Sand und je weiter ich mich zum wohl meist fotografierten Strand vorkämpfte, desto mehr Touristen kreuzten meinen Weg - und meine Fotomotive. Ich fühlte mich etwas genervt, sodass ich gar keine richtige Lust zum Fotografieren hatte. Der Strand war total überlaufen, egal wie weit man ging. Ich dachte mir nur: "Wäre ich doch morgen früh hierhergekommen!", aber ich war mir nicht sicher, um wie viel Uhr L'Union Estate öffnen und mir somit Zugang zur Anse Source d'Argent gewähren würde. Jedem, der mehr als eine Nacht auf La Digue verbringt, kann ich nur empfehlen, so früh wie möglich zum schönsten Strand der Welt zu radeln, um ihn möglichst menschenleer genießen zu können.

Die wunderschönen Granitfelsen wirkten als hätte man sie von oben mit Öl begossen. Auf ihnen turnten jede Menge Menschen herum, die auf der Jagd nach dem perfekten Selfie waren. Beim Anblick dieser riesigen Gesteinsbrocken wurde mir plötzlich eins klar: Daraus wird also die Küchenarbeitsplatte gemacht!

Ich war nun auf der Suche nach dem schönsten Platz mit möglichst wenigen Touristen, wo ich mich niederlassen konnte. Währenddessen watete ich durch das kniehohe Wasser, um ein paar schöne touristenleere Fotos von den grandiosen Granitfelsen auf meine Kamera zu bekommen. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass gerade die Flut im Anrollen war. Daher wurde ich erstmal von der kommenden Welle geduscht. Meine Shorts, meine Bauchtasche, der Rucksackboden...alles war pitschnass. Auch meine Kamera hatte was abbekommen. Ich entdeckte einen Platz, der mir gefiel, woraufhin ich meine Picknickdecke ausbreitete. Shirt und Hose verbannte ich auf einen Granitfelsen in die pralle Sonne in der Hoffnung, dass diese trocken sein würden, wenn ich wieder aufbrechen wollte. Kamera und Bauchtasche fanden einen Platz in der Sonne auf meiner Decke. Meine Deckennachbarin, die nur französisch verstand, bat ich, auf meine Sachen für einen Moment Acht zu geben, da ich mich im Wasser abkühlen wollte. Zum Schwimmen ist die Anse Source d'Argent nun wirklich nicht ideal, zumindest wenn die Flut noch nicht ihren Höchststand hat. Die vorgelagerten Korallen machen es schier unmöglich, ordentlich baden zu gehen. Und zu allem Übel hatte ich jetzt auch noch die Badehose voller Sand. Aber um am Strand den tollen Anblick der Bucht zu genießen, ist dies ein tolles Fleckchen Erde und hat ohne die Touristen mit Sicherheit auch den Titel "schönster Strand der Welt" verdient. Für eine Weile genoss ich also die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, da sprach mich die Neuseeland-Frau von der Fähre an. Sie hätte mich am Tattoo wiedererkannt. Der Strand wurde immer voller. Kurz vor drei Uhr hatte ich die Schnauze voll und packte meine Sachen zusammen. Zumindest die Bauchtasche war getrocknet. Meine Klamotten waren allerdings immer noch nass. Mein Nervfaktor stieg an und auch mein Magen machte sich inzwischen bemerkbar.

 

> Anse Source d'Argent

 

Zurück auf meinem Drahtesel radelte ich diesmal den ausgebauten Weg direkt an der Küste entlang. Dieser war nun auch der richtige. Ich erreichte nämlich wieder den Wegweiser, der keiner war. Er soll einem also wohl zeigen, dass man nicht geradeaus, sondern rechts lang fahren soll, um zur Anse Source d'Argent zu gelangen. Das mit dem Linksverkehr klappte als Fahrradfahrer auch erstaunlich gut.

Um meine Tour in den Norden fortführen zu können, machte ich einen Zwischenstopp in meiner Unterkunft, um mich der pitschnassen Klamotten zu entledigen. Mit trockener Kleidung setzte ich meine Fahrradtour fort. Mein Ziel war die Anse Patates. Ich hatte ja keine Ahnung, wie schnell ich dort sein würde. La Digue ist wirklich unfassbar klein. Auf dem Weg dorthin genoss ich das Getummel der Menschen, die alle mit Fahrrädern unterwegs waren. Ich passierte einen wunderschönen großen Friedhof. Ständig liefen Hühner auf der Straße herum und auch eine Aldabra-Riesenschildkröte lief mir über den Weg. An einem Strand mit gutem Zulauf (Anse Sévère) entdeckte ich einen großen Obststand, den ich gern fotografieren wollte. Eigentlich wollte ich das unbeobachtet tun, doch der Kokosnussmann entdeckte mich. Also fragte ich ihn von Weitem, ob ich ein Foto machen könne. Er bejahte freundlich. Als ich weiter fahren wollte, winkte er mich zu sich heran. Ich stellte das Fahrrad an der Straße ab und hüpfte hinunter zum Stand. Der freundliche Rastamann hielt mir eine kleine, braune Kokosnuss hin, die ich leer trinken sollte. Dann gab er mir noch Kokosnussfleisch zum Essen. Wir unterhielten uns recht angenehm. Er fragte verwundert, ob ich allein unterwegs sei. Diese Frage bekam ich übrigens ständig zu hören. Als ich ihm sagte, dass ich immer allein reise, kommentierte er nur "Deutsche Frauen sind sehr stark!". Er fügte hinzu: "Naja, du kommst ja sicherlich die gleiche Strecke zurückgefahren. Dann sehen wir uns auf deinem Rückweg!". Gut gelaunt setzte ich meine Reise fort. Die Menschen hier waren einfach alle überaus freundlich. Hinter der malerischen Anse Patates fuhr ich einfach weiter. Ich dachte mir, ich könnte noch die Nordspitze umrunden, da der Tag noch einige Stunden Licht bot. Ich fuhr also weiter an der Küstenstraße entlang und genoss ein Panorama nach dem anderen. An einigen Stellen veränderte sich der Untergrund. So fuhr ich über Sand und konnte mich gerade noch vor den anpreschenden Wellen retten, die Teile des Weges duschten. An den Wegesrändern standen allerhand Obstbäume, von Papaya bis Banane. Ich fuhr so lange bis ich keine Lust mehr hatte. Dann kehrte ich um. Mein Hungergefühl war inzwischen sehr dominant geworden. Laut meinem Reiseführer gäbe es ein Restaurant namens L'Ocean, von dessen Terrasse man den Sonnenuntergang wundervoll genießen konnte. Drei Mal bin ich auf der Suche nach dem Restaurant vorbeigefahren. Dann hatte ich es endlich gefunden. Als ich jedoch hoch zu der Terrasse stieg, sah das Lokal sehr leer aus. Ich fragte die Dame in der Ecke, ob ich hier essen könnte. Sie antwortete überrascht, dass sie erst 19:00 Uhr zum Abendessen öffnen würden, was mich wunderte, denn um diese Zeit würde der Sonnenuntergang schon vorüber sein. Es war erst 16:45 Uhr und inzwischen hätte ich fast alles gegessen, was man mir vorgesetzt hätte.

Auf dem Hinweg passierte ich ein asiatisches Spa-Hotel mit Cocktailbar und Lounge-Liegestühlen. Ich dachte, ich würde dort mein Glück versuchen. Der Kokosnussmann war gerade nicht an seinem Stand als ich wieder vorbeifuhr. Dafür spielte eine Mannschaft am Strand Fußball. In dem asiatischen Spa-Hotel wurden um diese Uhrzeit leider auch nur Drinks serviert. Damit hätte ich vielleicht meinen Hunger wegsaufen können. Doch das war nicht wirklich mein Ziel. Ich brauchte dringend was zu essen. Der Mann, der mir sagte, dass die Küche erst 19:30 Uhr öffnen würde, gab mir den Tipp eines Fischrestaurants. Völlig verzweifelt stellte ich mein Fahrrad vor dem "Fish Trap" ab. Als ich hinein ging, sagte ich zu den Kellnern "Bitte sagt mir, dass ich hier etwas zu essen bekomme!". Die Kellner schauten mich verdutzt an und sagten ganz selbstverständlich "Ja klar!". Nachdem ich bestellte, fiel mir fast alles aus dem Gesicht. Die drei Brötchen zur Vorspeise wurden tatsächlich mit neuseeländischer  Butter serviert. Während ich meine gegrillten Garnelen in Zitronen-Buttersauce mit Salat und Reis genoss, schaute ein Gecko ganz neugierig von einem riesigen Pflanztopf. Ich gönnte mir eine Piña Colada und ein Schoko-Mousse als Nachtisch. Mein Magen und ich waren sehr zufrieden. Nun fehlte nur noch der Sonnenuntergang zum perfekten Abschluss des Tages. Ich wartete gespannt. Himmel und Sonne färbten sich immer intensiver. Und kurz vorm Finale machte mir wieder einmal eine Wolke einen Strich durch die Rechnung. Hinter der Wolke schien wirklich eine totale Sonnenuntergangsparty abzugehen. Aber das war wohl eine geschlossene Gesellschaft.

 

> Fahrradtour an der Nordspitze von La Digue

 

Ich radelte nach Hause und befreite mich in der Dusche erstmal von sämtlichem Sand. Nachdem ich meine Kamera gesäubert, mein Gepäck vorbereitet und Postkarten geschrieben hatte, verfiel ich kurzfristig in Panik, da ich annahm, ich hätte meine 256GB Speicherkarte verloren. Wäre es doch nur so gewesen. Doch leider fand ich sie wieder. Später würde ich herausfinden, dass ich auf Grund dieser Speicherkarte viele Bilder des nächsten Tages verlieren würde.

Meine schmerzende Bandscheibe freute sich über das unfassbar weiche Bett. So legte ich mich schlafen. Denn vor meiner Abreise von La Digue hatte ich morgen früh noch einen Ausflug geplant.


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