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Von Bucht zu Bucht durch den Dschungel


Hardcore wie ich bin, weckte mich der Harfe-Ton meines Telefons 5 Uhr morgens. Noch vor dem Frühstück wollte ich mich mit den ersten Sonnenstrahlen wieder auf meinen Drahtesel schwingen und ans andere Ende der Insel fahren. Die Grand' Anse steuerte ich an. Da ich einmal falsch abgebogen bin, es aber direkt gemerkt habe, brauchte ich 25 Minuten, um die Südostküste zu erreichen. Auf dem Weg wünschte ich den Hühnern, die quer über die Straße liefen, einen guten Morgen. Es waren auch schon einige Seychellois unterwegs, die mich ebenfalls grüßten. Die Häuser am Weg standen mitten im Dschungel. Es war eine sehr idyllische Fahrt. Bis auf einen kurzen Abschnitt, in dem man das selbstkompostierende Verhalten des Dschungels wahrlich riechen konnte, versprühte die Luft den sonst altbekannten würzig-fruchtigen Duft. Am Ende des Weges ging die Straße steil bergab. War ich froh, dass ich funktionierende Bremsen am Fahrrad hatte.

 

> Weg zur Grand' Anse

 

Ich kam an einem Fahrradparkplatz an, auf welchem nur zwei Fahrräder standen. Während ich meinen Drahtesel anschloss - sicher ist sicher - hörte ich schon das Rauschen der rauen Wellen. Ein türkis gestrichenes Haus stand zwischen Fahrradparkplatz und Meer inmitten von Dschungelgestrüpp. Das rustikale Strandlokal "Loutier Coco" hat wohl sonst Kultstatus. Doch um diese Uhrzeit war hier noch alles leer gefegt. Ich schlängelte mich rechts am Lokal vorbei zum Strand und genoss direkt die salzige Luft, den Wind der Freiheit und das Privileg der Ungestörtheit. Wer in diesen riesigen Wellen baden geht, ist selber schuld. Wobei ich die Faszination schon nachvollziehen kann. Doch die Strömung ist hier fast das ganze Jahr über zu gefährlich zum baden.

Ich lief um das Haus herum, wobei mir auffiel, dass man hier wohl nicht so viel Wert auf ein abschließbares stilles Örtchen legte. Denn eine Tür des Toilettenhäuschens hing furchtbar schief in den Angeln. Allerdings konnte man von hier die Schönheit des Urwaldes bestaunen, denn sämtliches Land hinter dem Strand war von saftigem Grünzeug überwachsen. Ich stellte fest, dass mein Drahtesel nun ganz einsam dort angeschlossen stand, denn die anderen beiden Fahrräder waren plötzlich weg. Ein einziges Zweirad entdeckte ich noch an eine Palme gelehnt an der Straße, die ich zuvor heruntergerollt kam.

 

> Grand' Anse

 

Es war an der Zeit, sich in den Dschungel zu wagen. Ein Schild wies mir den Weg. Mein Ziel war die nächste Bucht, die Petite Anse. Und der Weg dorthin war spektakulär. Die Natur macht es einem nicht leicht, hier auf Dschungel-Expedition zu gehen, denn der Weg war ganz schön zugewachsen. Ich musste stark in die Knie gehen, um mit meinem recht hohen Rucksack überhaupt durch diesen Gestrüpp-Tunnel, der entfernt an einen Rosenbogen im Garten erinnerte, zu kommen, ohne ständig hängen zu bleiben. Dazu überlegte ich mir ganz fix eine Methode, damit ich nicht durch die Netze der hier wohnhaften Palmspinne lief und plötzlich ein solches Tier im Gesicht oder auf dem Kopf sitzen hatte. Dazu nutzte ich meine Wasserflasche, die ich in einer ausladenden Auf-und-Ab-Bewegung langsam vor mir herschwang. Ob es nun an meiner innovativen Flaschenmethode lag, weiß ich nicht, aber ich hatte auf jeden Fall weder Spinnennetze noch ihre Bewohner abbekommen. Nach ein paar Minuten kam ich wieder am Strand heraus. Und mein erster Gedanke war, dass ich mir das Gefuchtel mit der Flasche hätte sparen können. Ich hätte ja auch einfach am Strand langlaufen können. Dennoch kam ich zu dem Schluss, dass der Dschungelweg cooler war. Deswegen lief ich auch weiter den Urwaldpfad. Das Dschungel-Feeling wurde immer intensiver. Vor mir lagen umgekippte Palmen auf dem Weg. Die Felsen, welche sich vor mir auftaten, waren komplett grün zugewachsen. In den Tümpeln zwischen Granit und Palmen schwammen grüne Blätter vor sich hin. Und überall rannten Krabben kreuz und quer, die sich in ihren Löchern verstecken wollten. Der Pfad schlängelte sich nun die Felsen entlang hoch. Dieser Weg ist sehr steinig und erfordert definitiv trittfestes Schuhwerk! In meinem Reiseführer stand: Wenn man es schafft auf den Felsvorsprung zu klettern, hat man einen spektakulären Blick über beide Buchten. Das sah schon von unten nicht so aus als könnte man darauf klettern. Oben angekommen, bestätigte sich mein Eindruck, dass man da nie im Leben unfallfrei hoch käme. Also hielt ich mich nicht weiter an dieser Idee auf, sondern folgte dem Weg hinunter zur Petite Anse. Der Abstieg war gar nicht so einfach, da die Steine mit Sand bedeckt waren, was die Geschichte zu einer rutschigen Angelegenheit machte. Außerdem waren die "Stufen" ganz schön hoch. Das war definitiv ein super Workout jenseits der Gürtellinie. Da die Wellen bis zum Fuße des Granitberges heranreichten, überlegte ich, ob gerade Ebbe oder Flut war und ob ich diesen Weg trockenen Fußes wieder zurückgehen konnte.

 

> Weg zur Petite Anse

 

Die erste Hälfte der Bucht lief ich wieder den Dschungelweg entlang. Die zweite Hälfte wählte ich den Strandweg. Mein eigentlicher Plan war es ja, noch eine Bucht weiter in die Anse Cocos zu laufen. Doch irgendwie fand ich den Weg nicht. Ein Schild war auch nirgendwo in Sicht. Man müsste wohl wieder über den Granitberg am anderen Ende der Bucht. Im Nachhinein ärgert es mich ein bisschen, dass ich den Weg nicht gefunden habe, denn Bilder zeigten mir, dass die Anse Cocos wirklich wunderschön sein muss. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich wohl besser nicht weiter gestresst nach dem Weg suchen sollte. Stattdessen entschloss ich mich, die Einsamkeit zu genießen, während mir der salzige Wind um die Nase wehte. Gefühlte hunderte Krabben beobachtete ich dabei, wie sie scheinbar mit Anlauf ins Meer rannten. Während die einen in die Wellen stürzten, scheuten sich andere Tiere davor. Ein Nektarvogel suchte nach Futter im nassen Sand und lief dann davon als eine Welle angespült kam. Ich genoss die Natur um mich herum und spazierte gemächlich die Petite Anse entlang zurück. Ich bestieg den Granitberg, auf welchem mir zwei Einheimische entgegenkamen. Da ich ja zeitlich noch etwas Luft hatte, dachte ich mir, ich schaue mir die Situation mit der Besteigung des Felsvorsprungs an. Mir war die Sache allerdings zu heiß. Ich mache ja eine Menge für ein gutes Foto, aber lebensmüde bin ich nicht. Wäre mir dort was passiert, hätte mich in der Einsamkeit nicht so schnell jemand gefunden. Mal ganz davon abgesehen, dass mir die tollen Fotos eh nichts gebracht hätten. Denn durch meine billige SD-Karte ist leider der Großteil meiner Bilder von diesem Tag verloren gegangen. Die Aussicht wäre aber bestimmt durchaus spektakulär gewesen. In der Grand' Anse wieder angekommen, wollte ich eine aus Sand natürlich geformte Stufe heruntergehen, die wohl das Meer so hinterlassen hat. Die Sandstufe war allerdings lange nicht so stabil wie sie aussah, woraufhin ich weggerutscht und komplett im Sand gelandet bin. Meine Kamera hatte ich gerade so retten können. Doch ich selbst war von Kopf bis Fuß voll mit Sand, weshalb ich vor dem Frühstück erstmal noch duschen gehen musste. Den Rückweg lief ich komplett am Strand entlang. Auf dem Weg zu meinem Fahrrad kam mir ein junger Mann mit Surfbrett entgegen. Die riesigen Wellen hier scheinen demnach zwar nicht zum Baden geeignet zu sein, dafür aber zum Surfen. Trotz der Tatsache, dass ich den ersten Abschnitt das Fahrrad die steile Straße hinauf schob und noch an einer süßen Mini-Kirche anhielt, benötigte ich für die Rückfahrt nur gute 15 Minuten.

 

> Petite Anse & Rückweg

 

Nachdem ich mich vom Sand befreit hatte, schlenderte ich hinüber zum liebevoll vorbereiteten Frühstück im "Calou Guesthouse". Neben einem frisch zubereiteten Omelette gab es selbstgebackenes Bananenbrot, Saft, Kaffee (der immer noch nicht gut war), Toast mit Marmelade und frische Früchte. Und jeder Teller war mit Blüten verschönert. Auf dem Fruchtteller lag an der Seite von Minibananen, Melone und Maracuja eine mir unbekannte Frucht. Sie heißt Sapot und hat mir unglaublich gut geschmeckt. Von innen und außen war sie orangefarben. Das fettige Fruchtfleisch zerbröselte irgendwie und erinnerte von der Konsistenz an Nougat. Der Geschmack war nussig. Ich fand diese Frucht sehr lecker, meine britischen Mitfrühstücker eher nicht so.

 

> Frühstück im Calou Guesthouse

 

Gut gestärkt sortierte ich meinen bereits im Chaos versinkenden Koffer um, damit mein ganzer Kram da überhaupt wieder hineinpasste. Mein Zimmer musste ich zwar schon räumen, aber ich konnte meinen erschlankten Koffer im Calou unterbringen, während ich noch einmal mit dem Drahtesel auf Entdeckungstour wollte. Im Calou fand ich jedoch zunächst keine Person, die mir sagen konnte, wo ich denn mein Gepäck hinstellen sollte. Ich fragte in der Küche nach. Ein unglaublich hübscher Küchenjunge kam in den Speiseraum und wies mir den Weg. Er fragte, wo ich her sei. Als ich ihm meine deutsche Herkunft verriet, drehte er sich mit der erhobenen Hand um und fragte mich auf deutsch "Alles klar?", woraufhin ich ihm ein High Five gab. Generell fiel mir auf, dass es auf den Seychellen überdurchschnittlich viele attraktive Menschen gab.

Ich schwang mich wieder auf mein Zweirad und fuhr an einem in der Böschung liegenden Teppich vorbei, der mir als Orientierungspunkt diente. Ich brauchte dringend Wasser, brachte anschließend meine Postkartengrüße zur Post und wollte noch in den Souvenirläden stöbern. Der erste Laden war recht unspektakulär. Doch im zweiten kam ich gar nicht aus dem Staunen heraus. Der Mann, der am Tresen an etwas herumbastelte, erzählte mir, dass ihm der Laden gehöre und er die meisten Dinge selbst machen würde. Von kunstvoll bemalten Kokosnüssen über Parfüm und Muschelohrringen bis hin zu Utensilien aus Kokosnussholz gab es hier, was das individuelle Touristenherz begehrt. Alles, was es hier gab, war einfach bezaubernd. Mein Herz begehrte diverse Ohrringe und einen kleinen Kamm aus Kokosnussholz, der am Stiel liebevoll mit Blumen bemalt war. Da hatte ich mich direkt verliebt.

Als ich mein Fahrrad zurückbringen wollte, entdeckte ich ein riesiges Spinnennetz zwischen einer Hecke und einer Stromleitung. Darin saßen zwei Palmspinnen, vor denen ich mich am Morgen noch mit meiner innovativen Flaschenbewegung schützte. Ich war gerade dabei, diese faszinierend leuchtenden Tierchen mit orange-lila Beinen zu fotografieren, da fuhr ein grüßender Fahrradfahrer an mir vorbei. Erst dachte ich mir nichts dabei, da hier einfach jeder freundlich ist und egal wen grüßt. Doch als ich grüßend hinschaute, erkannte ich den Kokosnussmann vom Vortag. Er drehte rum und wir unterhielten uns kurz. Ich sagte ihm, dass ich später abreisen würde, woraufhin er mir eine gute Weiterreise wünschte. Ich tauschte mein Fahrrad gegen meinen Koffer ein und stellte den Drahtesel unter einem Karambolebaum ab. Ich wusste ja gar nicht, dass Sternfrüchte an Bäumen hängen.

 

> Entdeckungen vor der Abreise von La Digue

 

Ich rollte meinen quietsch-orangen Koffer hinter mir her auf dem Weg zur Fähre. Da fiel mir ein Baum mit einer relativ großen, runden Frucht auf, die ich nicht kannte. Ich fragte zwei seychellische Damen, welche Frucht das denn sei. Sie sagten, das sei die "Red Fruit", sie würde ähnlich wie Kartoffel schmecken und auch so verarbeitet werden.

Während ich auf meine Überfahrt nach Praslin wartete, schrieb ich noch Postkarten und brachte sie direkt wieder zur Post, die direkt um die Ecke war. Langsam reihte ich mich in die Schlange zur Fähre, die soeben anlegte. Ich war von den italienischen Mitbürgern genervt. Denn aus einem Italiener, der vor mir in der Schlange stand, wurden plötzlich 8 Italiener, da er anscheinend einen Platz für alle aus der Familie freigehalten hatte. "Wie schnell vermehren die sich denn?" schoss es mir durch den Kopf.

Ich stieg in Praslin um. Dort drängte allerdings die Zeit. Ich musste gefühlt ewig auf meinen Koffer warten, während meine nächste Fähre schon da stand. Den Voucher musste ich auch noch fix tauschen. Und los ging die zweite Überfahrt, bei der mir wieder mal flau im Magen wurde. Dieses Mal saß ich ganz unten. Das half aber auch nicht. Ich entschloss mich erneut, dem flauen Gefühl mit Schlaf zu entfliehen.

 

> Überfahrt La Digue - Praslin

 

In Mahé wurde ich schon von meinem über Seyvillas gebuchten Transfer erwartet. Was ich dabei nicht so ganz bedacht hatte: Bei einem solchen Transfer wird man natürlich nicht allein quer über die Insel chauffiert, was ich aus Umweltaspekten auch sehr begrüße. Es führte allerdings dazu, dass diese Fahrt über zwei Stunden für mich dauern sollte. Denn selbstverständlich wurde meine Unterkunft als letztes Ziel angefahren. Mit meiner bisherigen Erfahrung hätte ich auch definitiv mit dem öffentlichen Bus fahren können. Das wäre nicht nur preiswerter, sondern auch schneller gewesen. Meine Laune sank weiter, da ich zu dem Zeitpunkt aus einem unerfindlichen Grund annahm, nur eine Nacht im "Chez Batista" zu verbringen. Daher fühlte ich mich etwas gestresst, dass ich gar nichts mehr vom Tag haben würde, sobald ich angekommen wäre, da es ja auch schon früh dunkel wird auf den Seychellen. Neben mir saß ein österreichisches Pärchen, welches sich rege über die Dinge austauschte, die sie sahen. Ich wollte mir einfach nur die Umgebung anschauen - und schweigend genießen. Denn diesen Teil von Mahé hatte ich ja noch nicht gesehen. Wir passierten Eden Island - eine aufgeschüttete Luxushalbinsel bei Victoria - und ich dachte nur, wer denn sowas brauchen würde. Wie viel der wertvollen Ressource Sand hierbei verschwendet worden ist... Definitiv eine Umweltsünde. Und das, obwohl die Seychellen eigentlich inzwischen verstanden haben, dass sie ihre Natur schützen müssen und auch nicht mehr überall Freigaben für den Hotelbau geben.

 

> Transfer auf Mahé

 

Die Zeit schritt voran und inzwischen saßen nur noch die Österreicher und ich im Kleinbus. Dummerweise kommentierte ich irgendwas, woraufhin ich in ein ellenlanges Gespräch verwickelt wurde. Vorbei war es damit, die Umgebung zu bestaunen. Auf dem Weg zum Hotel der Österreicher ging es plötzlich immer steiler bergab. Ich hoffte im Stillen, dass der Bus da auch wieder hochkommen würde, nachdem das Pärchen abgeladen wurde. Wir fuhren an einem Schild für das Kempinski Hotel vorbei, woraufhin die Dame äußerte: "Ach ja, hier ist also das Kempinski. Das war für uns zu teuer." Als zurück in Deutschland ein Angebot für dieses Hotel bei Facebook aufploppte, kam mir direkt der Gedanke "Tja, sagt einem aber keiner, dass das hinter einem Abhang liegt und man sich erstmal den Berg hochkämpfen muss, wenn man irgendwo hin will...".

Als schließlich nur noch der Fahrer und ich im Bus waren, sagte er mir, dass die Anfahrt zu meiner Unterkunft normalerweise viel schneller sei, er aber einen Umweg wegen der anderen Gäste fahren musste. Wir durchquerten den Dschungel und schließlich erreichte auch ich mein Ziel. Die Rezeptionistin war ganz erschrocken als ich fragte: "Naja, ich bleibe ja nur eine Nacht. Wie ist das denn morgen früh mit dem Flughafentransfer?" - "Wie, Sie bleiben nur eine Nacht? Hier steht, Sie bleiben zwei Nächte....". Das mit dem Denken funktionierte heute nicht mehr so gut. Ich erkundigte mich nach dem Datum und bestätigte erleichtert, dass ich zwei Nächte bleiben würde. Mir wurde ein Begrüßungsdrink serviert, den ich mit Blick auf die wunderschöne Bucht - die Anse Takamaka - genoss. Nach der Erfrischung wurde mir mein Zimmer gezeigt, welches ich sehr schön fand. Erstaunlich oft wies die Rezeptionistin darauf hin, dass ich meine Sachen nicht unverschlossen und schon gar nicht unbeaufsichtigt am Strand liegen lassen sollte. Waren hier etwa viele Diebe unterwegs? Mir wurde jedenfalls auf der gesamten Reise nichts geklaut.

 

> Ankunft im Chez Batista, Anse Takamaka

 

Mein Magen gab inzwischen ziemlich laute Geräusche von sich. Es war nach vier und für mich wurde das Schlemmen im Restaurant der Anlage zu Mittag und Abendessen zugleich. Mit den Füßen im Sand und Blick auf die Bucht wartete ich auf meine grandiose Bestellung. Ich gönnte mir einen Batiste Special - eine Piña Colada mit Papaya anstatt Ananas. Dazu bekam ich einen Avocadosalat und ein Thunfischsteak mit Reis. Knoblauchbrötchen und Knoblauchsauce wurde extra gereicht. Ich bin noch nie in meinem Leben einem solch intensiven, mega leckeren Avocadogeschmack begegnet. Da möchte man wirklich keine "deutschen" Avocados mehr essen, wenn man weiß, wie das eigentlich richtig schmecken sollte. So frisch vom Baum. Das Thunfischsteak war ebenfalls richtig schmackhaft. Ich fühlte mich rundum wohl. Bis es ständig über meinen Fuß krabbelte. Meine Füße befanden sich inmitten einer Ameisenansammlung. Ich dachte, die wohnen nur im Wald. Ich wechselte also den Tisch und das große Krabbeln hatte ein Ende. Nachdem ich fertig mit meinen Speisen war, nahm ich den Rest meines Drinks mit zur Bar. Denn nur dort hatte man in der Anlage WLAN-Empfang.

 

> Anse Takamaka

 

Direkt an der Mauer fiel mir eine deutsche Familie auf. Ich sprach sie an, ob es ihnen etwas ausmachen würde auf meine Sachen zu achten, damit ich mal fix ins Meer springen könnte. "Klar, ist doch kein Problem!". Ich zog also fix meinen Bikini auf meinem Zimmer an und schon konnte es ins angenehm kühle Nass gehen. Und wer hätte es gedacht...im Wasser begegnete ich gleich dem nächsten deutschen Pärchen. Die Anse Takamaka ist zwar überhaupt nicht überlaufen, was ich total angenehm finde. Aber aus irgendeinem Grund laufen dort ziemlich viele Deutsche herum, die ich ja eigentlich auf Reisen eher versuche zu meiden. Wir unterhielten uns jedoch nett bis die deutsche Familie aufbrechen wollte. Ich bedankte mich ganz herzlich, woraufhin sich die Mama entschuldigte, dass sie schon los müssten, doch sie würden heute bekocht werden.

Ich wollte mich fix abtrocknen und ein hübsches Selfie machen. Ich fühlte mich gerade erfrischt, entspannt, einfach rundum wohl. Und dann krachte ich mit meinem Zeh gegen eine große Koralle, die ich nicht gesehen hatte, da sie die gleiche Farbe wie der Sand hatte. Die gute Laune verflog mal kurzzeitig, da ich mir meinen halben Nagel und ein Stück Fleisch rausgerissen hatte. Schön erstmal überall Blut, sodass ich die Wunde sofort im Meer reinigte. Da ich ja immer versuche, alles positiv zu sehen: Es war genau der Nagel, bei dem sich etwas Nagelpilz abzeichnete. Das Problem hatte sich nun von allein erledigt.

Ich wartete noch auf den Sonnenuntergang. Doch auch dieses Mal machte mir eine Wolke einen Strich durch die Rechnung. Ich ging also duschen und befreite somit gefühlt ein Kilo Sand aus meiner Badehose, sowie diverse kleine Steinchen. Da der Duschstrahl irgendwie total schwach war, nahm die Säuberungsaktion einige Zeit in Anspruch. Am Waschbecken wollte ich meinen Zeh nochmal extra säubern bevor ich da Wunddesinfektionsmittel drauf sprühte. Allerdings erschrak ich erstmal. Der linke Wasserhahn wurde wohl schon eine ganze Weile nicht mehr benutzt. Dort kam nämlich zunächst braunes Wasser heraus. Ich benutzte fortan ausschließlich den rechten Wasserhahn. Außerdem liefen an der Wand Ameisen entlang, die mich aber so an sich nicht weiter störten. Und weil das alles noch nicht genug war, brach mir auch noch beim Benutzen meiner Zahnseide ein Stück Zahn heraus.

Ich wollte mir schließlich die Bilder auf der Kamera anschauen. Als jedoch bei den meisten Fotos "Bildwiedergabe unmöglich" aufploppte, schwante mir schon böses. Meine Schwester riet mir beim Videoanruf, diese SD-Karte nach Möglichkeit nicht mehr zu benutzen. Wie Recht sie doch behalten sollte. Es ist wirklich sehr schade um die wundervollen Bilder. Daher meine Empfehlung an euch: Kauft euch bloß keine No-Name-Produkte mit zu viel Speicherplatz, die auffällig wenig kosten!

 

Diese Nacht schlief ich mit dem lauten, rhythmischen Rauschen der Wellen ein.

 

> Ausklang des Tages in der Anse Takamaka


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