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Geh doch dahin, wo der Pfeffer wächst!


Der ursprüngliche Plan für diesen Tag sollte wieder einmal mit dem wunderschönen Licht des Sonnenaufgangs beginnen. Als mein Wecker jedoch 05:30 Uhr klingelte und ich aus dem Fenster schaute, verwarf ich den Plan spontan. Das Licht war für den Eimer. Also verzog ich mich zurück unter meine Decke und genoss weiter das Rauschen der Wellen. Nach einer Dusche ohne Wasserdruck kehrte ich mit lediglich 5 Minuten Verspätung in der Lobby ein, um mich mit meiner zuständigen Mitarbeiterin von Creole zu treffen. Die Dame war aber wohl nicht so angetan von Verspätungen, weswegen sie laut Aussage der Rezeptionistin bereits wieder gefahren war. Eigentlich bräuchte ich ja auch keine Reiseleitung. Aber vielleicht würde mir der Service ja doch was nützen, dachte ich. Ich erreichte sie telefonisch und sie kehrte direkt um. Als sie eintraf, lieferte sie sich erst einmal eine ausgiebige Diskussion mit der Rezeptionistin, wieso denn niemand meine Zimmernummer gewusst hätte. Die Situation war mir furchtbar unangenehm und ich fand das auch höchst unprofessionell. Die können sich ja gerne unter vier Augen streiten, aber doch nicht vor einem Gast. In unserem Gespräch fragte sie schließlich nach meinem Wohl in der Unterkunft, woraufhin ich von der Dusche mit dem laschen Wasserdruck und den Ameisen im Bad berichtete. Um die Ameisensituation wurde sich dann auch direkt gekümmert, während ich mein Frühstück mit Blick aufs Meer genoss. Neben Kaffee und Saft gab es leckere Pancakes. Ein Omelette wurde frisch nach meinen Wünschen zubereitet und der Obstsalat war so grandios, dass ich mir einen Nachschlag holte. Während ich mich meinen Leckereien zuwendete, kam ich erneut mit dem deutschen Pärchen vom Vorabend ins Gespräch.

 

> Frühstück im Chez Batista

 

Die Entscheidung für die heutige Erkundungstour fiel auf den Jardin du Roi - der Garten des Königs. Dafür fuhr ich mit dem Bus erst einmal zur Anse Royale. Wunderschöne seychellische Frauen und Mädchen mit makelloser Haut stiegen zu. Ich kam gar nicht aus dem Staunen heraus. Ich hatte noch nie so viele so wunderschöne Frauen auf einem Haufen gesehen. Die meisten tragen ihre Haare sehr gepflegt nach oben zu einem Dutt gesteckt, was wohl angesichts der Luftfeuchtigkeit einfach einen sehr praktischen Nutzen hat. Dann stieg eine Dame jenseits der 80 ein, die sich auf den Platz neben mich setzte. Sie trug ein rosa Kleid mit Rüschenärmeln, welches mich an mein Einschulungskleid erinnerte. Auf ihrem Kopf saß ein Strohhut, der dafür sorgte, dass das Outfit aussah als wäre es aus einer anderen Epoche. Ich schmunzelte vor mich hin und genoss den Wind, der mir während der Fahrt um die Nase wehte. In der Anse Royal verließ ich den Bus. Die Rezeptionistin hatte mir eigentlich gesagt, dass ich hier den Bus wechseln sollte. Aber ich dachte mir, dass das schon nicht so weit sein würde. Schließlich sollte die zusätzliche Busfahrt nur drei Minuten dauern, also könnte ich wohl auch laufen. Zunächst deckte ich mich jedoch in weiser Voraussicht mit einem Wasservorrat ein.

Ich befragte eine Seychelloise, die ganz erschrocken war, dass ich tatsächlich zum Jardin du Roi laufen wollte. Sie meinte, da wäre ich über eine Stunde unterwegs. Dennoch erklärte sie mir den Weg. In Kombination mit der Wegbeschreibung aus meinem Reiseführer fand ich tatsächlich die Abbiegung, die von einem sehr dezenten Schild gekennzeichnet war. Ich lief eine dschungelgesäumte Straße entlang. Zu meiner Linken sah ich eine Gruppe von Leuten verschiedenen Alters. Sie verbrannten Laubhaufen, wie ich es schon oft auf den Seychellen gesehen hatte. Ich hatte angenommen, dass es eine religiöse Bedeutung hat. Ich wollte es jedoch genauer wissen. Also fragte ich nach. Zunächst bei einem älteren Mann, dessen Augen stark getrübt waren, weshalb seine Sicht stark eingeschränkt sein musste. Er sprach leider kein Englisch. Deswegen mischte sich ein jüngerer Mann ein. Er erklärte mir, dass mit Hilfe von Kohle Laubhaufen unter den Bäumen verglühen, um ein schädliches Insekt aus den Bäumen zu räuchern. Ich bedankte mich für diese erleuchtende Information und erzählte ihm auf Nachfrage noch, dass ich in den Jardin du Roi wollte. Wie jeder andere sagte er mir ebenfalls, dass es dort wunderschön und definitiv einen Besuch wert sei. Ich wollte gerade die Straße weiter entlanglaufen, da wies er auf eine Abbiegung und sagte "Ähm, zum Jardin du Roi geht es aber da lang.". Welch ein Glück, dass ich die Leute wegen des Laubs angesprochen hatte. Sonst wäre ich wahrscheinlich ziemlich lang ziemlich falsch gelaufen. Ein LKW war gerade dabei an der steilen Abbiegung mit dem dezenten Schild zu drehen. Da wäre ich fast noch in seinen Rückwärtsgang hineingelaufen.

Der Aufstieg zum königlichen Garten war sehr steil und beschwerlich. Ich musste immer wieder Pausen machen und meinen Wasserhaushalt auffüllen. Gefühlte 20 Liter Schweiß liefen mir am Körper herunter. Als ich wieder einmal im Schatten stand und an meiner Flasche nippte, kam vom Grundstück, vor dem ich stand, ein durchtrainierter Typ in Badehose ganz locker an die Mauer und fragte, ob bei mir alles ok sei. Japsend antwortete ich, dass ich nur eine Pause bräuchte, sonst aber alles klar wäre. Zustimmend sagte er "Ja, der Aufstieg ist sehr steil." und wandte sich wieder dem Garten zu. Während ich mich weiter den Berg hinauf quälte, wurde ich fast noch von einer Red Fruit erschlagen, die gerade von einem Baum fiel. Nach etwa 40 Minuten Weg von der Bushaltestelle kam ich schließlich völlig erschöpft im Jardin du Roi an. Ich flüchtete mich zunächst in den Souvenirladen, in dem diverse Ventilatoren meinen erhitzten Körper etwas herunterkühlten.

 

> Weg zum Jardin du Roi

 

Ich wollte mich schon auf Entdeckungstour begeben, da wies mich ein Deutscher darauf hin, dass man ja Eintritt zahlen müsse. Das hätte ich nie im Leben so erkannt, zumal in meinem wohl nicht deutlich aktuellen Reiseführer stand, dass der Eintritt frei war. Die 125 Rupien entrichtete ich folglich an einem Tresen im Restaurant. Mit jede Menge Infobroschüren bewaffnet konnte es nun endlich losgehen. Zunächst schaute ich mir das kleine Museumshäuschen an, in dem u.a. eine riesige Nuss der Coco de Mer lag. Vor dem Haus standen zwei einladende Holzsessel, die auf eine atemberaubende Aussicht ausgerichtet waren. Man konnte den gesamten Dschungel überblicken und am Horizont tat sich das Meer auf. Der steile Aufstieg lohnte sich allein für diesen Moment. Schaute man den Berg entlang nach oben, ragten Granitfelsen aus der Spitze. Ich passierte lustig benannte Pflanzen wie den "Lippenstiftbaum" (Lipstick Tree). Anschließend folgte ich dem Rundweg, der mich kurze Zeit später zu einem noch schöneren Aussichtspunkt führte. Dort bemerkte ich ein deutsches Pärchen, denen ich anbot, ein Foto von ihnen aufzunehmen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich den Abend mit ihnen und einigen anderen Deutschen ausklingen lassen würde.

 

> Jardin du Roi

 

Der Besuch des Jardin du Roi glich einer absoluten Entdeckungsreise. Hier oben roch die Luft noch würziger als sonst. So viele unbekannte Pflanzen habe ich noch nie an einem Ort zu Gesicht bekommen. Früchte, die ich sonst auf dem lokalen Markt gesehen hatte, konnte ich nun bestaunen, wie sie ursprünglich wachsen. Gewürze kannte ich bislang nur als Blätter, Nüsse oder getrocknete Früchte. Doch hier konnte ich zum ersten Mal einen Muskatnussbaum bewundern. Wer hätte gedacht, dass die eigentliche Muskatnuss sehr versteckt in der Frucht wächst. Ich entdeckte Baumwollsträucher und wusste nun, woraus meine Kleidung gemacht wurde. Ich stellte erstaunt fest, dass Zimtstangen aus der Rinde des Zimtbaumes geschabt werden und Pfefferkörner in Trauben grün und rötlich vom Pfefferbaum hingen. Ich wusste auch nicht, dass es so viele unterschiedliche Palmenarten gibt. Eine sah so aus als hätte sich der Stamm in viele kleine Stämme geteilt. Oder auch als würde der Baum auf der Wurzel stehen. Von dem Gehege der Riesenschildkröten war ich etwas enttäuscht. Wenn man die freilaufenden Tiere auf Curieuse gesehen hat, kann man kein Verständnis für eine derart kleinflächige, enge Haltung dieser kleinen Dinosaurier aufbringen.

Mitten in all diesen Gewürzen gab es einen Part, in dem nur medizinische Heilpflanzen standen. Es roch wie beim Heilpraktiker und ich fühlte mich direkt rundum gesund. Hier fand ich auch den Coca-Strauch. Laut Erklärungsblatt würde dieser zur Reinigung der Augen Anwendung finden. Allerdings wird die Pflanze in Südamerika für Mate-Tee und...naja...zur Kokaingewinnung genutzt.

Es gab durchaus auch Pflanzen, bei denen ich vergeblich ein Schild suchte. Eine nannte ich also auf Grund ihres Aussehens den jamaikanischen Rasta-Busch.

 

> Jardin du Roi

 

Ein weiteres Highlight war für mich der fruchtige Part des Gartens. Hier auf Mahé habe ich gelernt, wie Ananas wächst. Aus irgendeinem Grund habe ich immer angenommen, dass diese unglaublich leckere Frucht an einem Baum hängen würde. Aber weit gefehlt. Tatsächlich wächst sie inmitten eines Strauches, der wie Aloe Vera ausschaut. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass die Baby-Ananas gerade eben erst mit roter Farbe angesprüht und dort hineingesetzt wurde. Schaut etwas skurril aus. Der Wissenszuwachs an diesem Tag hat mich allerdings sehr geflasht.

Ich lief auch durch Bananenstauden, die ich schon sehr gut von Gran Canaria kannte, schnupperte an Orangen-, Grapefruit-, Guaven- und Zitronenbäumen, sah das erste Mal Zuckerrohr, auf dem ich ein paar Tage später auf Mauritius herumkauen würde, und sah Sour Soup und die Jackfruit in allerlei Größen von ihren Bäumen hängen. Einen Sapot- und Karambolen-Baum habe ich auch gefunden. Alle paar Meter war ich von neuem erstaunt.

 

> Jardin du Roi

 

Nachdem ich die würzige und fruchtige Abteilung komplett durchquert hatte, begann der Regenwald-Part. Festes Schuhwerk ist wie bei allen Erkundungstouren auch hier unabdingbar, wenn man den Dschungel nicht vom Boden aus betrachten möchte. Ich erfreute mich einer weiteren Coco de Mer und folgte den teils mit Wurzeln übersähten, teils steinigen, teils von Gras bedeckten Wegen. Während ich die schweißtreibende bergauf-bergab-Regenwald-Runde drehte,  suchte ich nach dem Waldweg, der nach Baie Lazare führte und den ich nach Beendigung meiner Jardin-du-Roi-Entdeckungsreise entlang gehen wollte. Ich war mir jedoch unsicher, ob das tatsächlich der korrekte Abzweig war und wollte mich beim Parkpersonal vergewissern bevor ich mich aus Versehen irgendwo im Dschungel verirrte. Kurz bevor ich wieder beim Eingang des Parks angelangte, erhob sich ein Büschel riesiger Bambusrohre. Nicht einmal mit beiden Händen konnte ich sie umschließen. Ich wusste ja nicht, dass Bambus so unfassbar groß werden konnte. Direkt daneben schien ein solches Büschel abgeholzt worden zu sein. Die hohlen Rohre lagen aufgetürmt auf dem Weg. Wie schon während des gesamten Besuchs war ich fasziniert.

 

> Jardin du Roi - Regenwald-Areal

 

 

Ich fand eine Parkmitarbeiterin. Als ich sie allerdings fragte, ob der Abzweig, den ich gesehen hatte, der richtige nach Baie Lazare wäre, riet sie mir davon ab, dort allein langzulaufen. Es sei nicht ganz geklärt, ob dieser Weg dem Staat oder dem Park gehöre, wodurch sich länger nicht darum gekümmert wurde. Die Wege seien nicht befestigt und es sei schwer, den korrekten Pfad auszumachen. Da ich nicht verloren gehen wollte, entschied ich mich, doch nicht dort entlangzugehen. Am Abend wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Das deutsche Pärchen, das ich nämlich vorhin kennenlernte, ist genau diesen Weg entlang. Sie erzählten mir am Abend, dass sie daran überhaupt nichts gefährlich fanden.

Ich trat den Rückweg an. An der Hauptstraße wieder angekommen, entschied ich mich, nicht zurück nach Anse Royale zu gehen, sondern in die andere Richtung. Ich dachte, dann nehme ich eben den Bus nach Baie Lazare. Denn eigentlich wollte ich mir die Künstlergegend Anse de la Mouche anschauen. Als der nächste Bus jedoch hielt, sagte mir der Busfahrer, man könne nicht über Baie Lazare zur Anse Takamaka, man müsse über Anse Royale fahren. Das konnte ich nicht ganz glauben.

 

Meine auf Grund der Luftfeuchtigkeit explodierten Haare benötigten dringend einen Haargummi. Der einsetzende Regen war da nicht gerade zuträglich. Während ich Haargummis kaufte, reagierten die Damen in dem Laden geschockt als ich fragte, ob es zu weit sei, um nach Baie Lazare zu laufen. Mit Blick auf die Uhr entschied ich mich also zurück nach Anse Takamaka zu fahren - über Anse Royale. So könnte ich wenigstens nochmal ins Meer hüpfen. Ich sichtete diverse Flughunde, während ich auf den Bus wartete. Direkt an der Bushaltestelle war der Eingang zu einem anderen botanischen Garten, den man an den aufsteigenden Hängen anhand der Pflanzenpracht von weitem erahnen konnte.

 

> Rückweg vom Jardin du Roi

 

Als ich wieder im Chez Batista angekommen war, schwang ich mich schnell in meinen Bikini und genoss noch zwei Runden Meereswasser, während eine Österreicherin auf meine Sachen achtete. Ich war froh, das ekelhafte Gemisch von Sonnenmilch, Mückenspray und Schweiß von meiner Haut waschen zu können. Sichtlich erfrischt chillte ich noch etwas am Strand und folgte dann meinem Hungergefühl. Ich freute mich schon auf den Avocadosalat, den ich definitiv nochmal essen wollte. So ein unfassbar gutes Geschmackserlebnis. Ich studierte die Speisekarte noch etwas genauer und wollte definitiv typisch seychellische Sachen verkosten. Zu meinem Avocadosalat gab es also ein SeyBrew - seychellisches Bier. Sagen wir, es war trinkbar. Ich fragte mich, wieso ich den geschmacksorgasmischen Nachtisch erst jetzt entdeckt hatte. Mir wurde Kokosnougat - ein Kokos-Banane-Karamell-Gemisch - serviert. Das allein schmeckte zwar schon grandios. Aber der Takamaka Kokosrum, den ich dazu bestellte, war ein absoluter Traum. Ich habe noch nie einen so wohlschmeckenden Rum auf meiner Zunge gehabt... und ich habe schon jede Menge Rum verkostet.

 

Ich verzog mich kurzzeitig auf mein Zimmer, um mich mal vom Sand zu befreien. Doch dann wünschte meine Schwester, dass wir doch mal videotelefonieren könnten. Dazu benötigte ich aber eine Internetverbindung. Ich musste also wieder herunter in den Barbereich. Während wir uns unterhielten, setzte plötzlich tropischer Starkregen ein. Ein absolut einmaliges Erlebnis. Diese Wassergewalt, die von oben kam, im Zusammenspiel mit den hitzigen Temperaturen...einfach einmalig. Ich stellte fest, dass ich wohl durch mein lautes Telefonieren die anderen deutschen Gäste in die Flucht geschlagen hatte. Ich setzte mich schließlich nach Ende des Telefonats in den Barbereich, um mobil noch ein wenig erreichbar zu sein. Nach und nach kamen doch noch ein paar Deutsche hinzu, u.a. auch das Pärchen aus dem Jardin du Roi. Es entstand ein nettes Grüppchen mit Gabi, Jens, Silke, Frederick und einem Pärchen, welches einen seychellischen Straßenhund adoptierte. Als ich mir noch ein neues Glas Kokosrum holte, fragte mich die Barfrau, ob ich schon den dunklen probiert hätte. Ich kam also mit zwei Gläsern Rum zurück zum Tisch der Deutschen. Ich hatte definitiv die Entscheidung getroffen, dass ich am kommenden Tag eine Flasche Rum im DutyFreeShop kaufen würde, um ihn mitzunehmen. Gegen 21 Uhr waren meine Gläser geleert und ich verließ die Runde, da mich ja am nächsten Tag ein früher Flug und eine entsprechend zeitige Abholung erwartete. Nachdem ich meine Koffer gepackt hatte, genoss ich den letzten Schlaf zum Rauschen der Wellen.

 

> letzter Abend im Chez Batista


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