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Wie ein Sonnenuntergang meinen Tag rettete


Eigentlich wollte ich meine Früchte von der Côte d’Or ja zum Frühstück essen. Dafür hatte ich mir am Vorabend extra noch Besteck mit auf's Zimmer genommen. Doch ich hatte morgens dafür einerseits nicht mehr genug Zeit und andererseits auch noch keinen Hunger, sodass meine übriggebliebenen und wahrscheinlich superleckeren Früchte leider in den Müll wanderten.

 

Ich wurde schon 6 Uhr morgens von einem schicken BMW abgeholt. Das war das erste deutsche Auto, das ich auf den Seychellen gesehen hatte. Der Fahrer war sehr freundlich, ich auf Grund meines melancholischen Aufbruchgefühls jedoch nicht sehr gesprächig. Ich wollte die Seychellen nicht verlassen. Es war in meiner vorherigen Planung ein absoluter Trugschluss, dass ich in diesen wenigen Tagen die Seychellen insgesamt erleben konnte. Ich finde zwar, dass ich für die wenig zur Verfügung stehende Zeit das Beste daraus gemacht und wirklich viel gesehen hatte. Aber ich hätte gern noch länger diese würzige Luft und die Leichtigkeit des Seins um mich gehabt. Für mich stand fest, dass ich definitiv wieder in dieses Paradies musste.

 

Mein Fahrer bewegte das Auto sehr bedacht. Ganz untypisch für einen Seychellois, wenn man mal die Erlebnisse der letzten Tage betrachtete.

Am Flughafen dachte ich zurück, wie ich hier angekommen und mit dem Bus über die Insel gefahren war. Die Erinnerung zauberte mir ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich kümmerte mich um mein Frühstück. In der Cafeteria gab es für mich einen leckeren Obstsalat, einen Kokoskuchen, der zwar mega fettig, aber saulecker war, und einen passablen Kaffee. Nachdem ich die letzten Rupien ausgegeben hatte, wechselte ich noch mein übrig gebliebenes Geld zurück - immerhin 35 Euro hab ich noch herausbekommen. Beim Check-In war ich sehr glücklich darüber, dass mein Gepäck nur 18,6 kg wog. Ich hatte vorher schon Horroszenarien bezüglich einer Zahlung für Übergepäck. Schließlich war ungewollt ziemlich viel Sand in meinem Koffer. Mein schweres Shampoo, was meinen Haaren in diesem Klima eh nicht gut tat, ließ ich deswegen auch gleich in meiner Unterkunft zurück.

 

Im DutyFree habe ich meinen heiß ersehnten Takamaka Kokosrum entdeckt und gleich eingepackt. Ich konnte ihn schon förmlich auf der Zunge schmecken. Außerdem erspähte ich seychellisches Parfüm, das ich in dem kleinen süßen Laden in La Digue bereits gesehen hatte. Bald würde ich nach der Coco de Mer und purer Vanille duften. Die Dame an der Kasse verriet mir noch, dass es wohl auch einen Takamaka Ananasrum gäben würde und der auch sehr lecker wäre. Aber der beste und würzigste wäre ihrer Meinung nach der richtig, richtig, wirklich superdunkle Takamaka Rum (extra dark). Den würden sie hier aber nicht verkaufen. Leider konnte ich ja nur eine Flasche mitnehmen auf Grund der Einreisebedingungen in Mauritius und Deutschland. Also blieb es beim Kokosrum.

 

Schon bald sollte der Flug starten. Der zwischenzeitliche Regen trug nicht gerade zur Aufhellung meiner Stimmung bei. Der Abschied dieser wundervollen Inseln fiel mir wirklich schwer.

 

> Abreise von den Seychellen

 

Das Frühstück bei Air Seychelles war durchaus genießbar. Es gab Rührei, Würstchen, Kartoffeln, Obstsalat, Milchbrötchen und Marmelade. Eine etwas witzige Mischung, aber sie tat ihre Schuldigkeit und sättigte mich. Neben mir saß ein älterer Herr, den ich erst später als Deutschen identifizierte. Ich übersetzte nämlich das Einreiseformular für ihn und sämtliche andere meiner Landsleute drumherum, die wohl die Namen diverser Krankheiten nicht verstanden und nicht wussten, wo sie denn jetzt ein Kreuz setzen sollten.

 

Nach 2,5 Stunden Flug graute mir ein wenig vor meinen zwei bevorstehenden Wochen auf dieser aus der Luft nicht so idyllisch wirkenden Insel wie den Seychellen. Ich war enttäuscht. Hatte ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen, so lange auf Mauritius zu bleiben und nach so kurzer Zeit von den Seychellen abzureisen? Der Flughafen sah dann eigentlich ganz nett aus. Auf dem Weg zur Gepäckausgabe spazierte ich an einer grün bepflanzten Wand inklusive Wasserfall vorbei. Die Abfertigung dauerte eine Weile. Der Einreisestempel von Mauritius konnte jedoch auch nicht mit der Coco de Mer in meinem Reisepass mithalten. So ziemlich alles betrachtete ich in diesem Moment als negativ. Ich tauschte mein Geld erneut. Auch in Rupien, aber diesmal mauritische. Nun hatte ich gerade herausgehabt, wie viel seychellische Rupien wert waren, da musste ich mich schon wieder an einen neuen Umrechnungssatz gewöhnen.

 

Ich hatte mir bereits von Deutschland aus einen Transfer zu meiner Unterkunft gebucht (also ein Taxi), da sich diese auf der Westseite der Insel befand, während der Flughafen auf der Ostseite lag. Ich hatte schon vor, zukünftig mit den Bussen von Unterkunft zu Unterkunft zu gelangen. Eben wie auf den Seychellen. Letztlich war ich jedoch immer mit Taxi unterwegs. Der indische Taxifahrer wartete mit einem Schild auf mich, sodass ich ihn auch gleich erkannte. Als wir aus dem Flughafen traten, strahlte mich zwar die Sonne an, aber der Geruch konnte so gar nicht mit den Seychellen mithalten. Da war ich eine Woche lang davon verwöhnt gewesen, dass alles und jeder wohlduftend roch....und dann wurde ich hier mit dieser Luft konfrontiert.

 

Naja gut. Ich versuchte dem Ganzen irgendwie was Positives abzugewinnen. Auch wenn mein Taxifahrer und ich zwischenzeitlich relativ verschwiegen waren, erklärte er mir auf der einstündigen Fahrt doch recht viel im Vorbeifahren. Hier gab es tatsächlich Autobahnen, was mich sehr erstaunte. Mauritius hatte sehr viel mehr Zivilisation als die Seychellen und war auch viel weitläufiger. Hier wuchs der Regenwald nicht bis an den Straßenrand. Ich sah auch direkt den 1. BMW. Auch das war für mich eine Überraschung, nachdem ich auf den Seychellen quasi keine deutschen Autos gesehen hatte. Hier standen auch sehr viel mehr Hindu-Tempel als auf den Seychellen. Alle paar Kilometer leuchtete ein Gotteshaus in strahlend bunten Farben. Mein Taxifahrer - nennen wir ihn Raj - erklärte mir, dass es sehr viele Inder auf Mauritius gäbe, die natürlich auch irgendwie die Kultur mitbestimmen würden. Am kommenden Tag gäbe es ein Hindu-Fest, wo alle an einen Fluss kämen. Raj schwärmte mir inzwischen vor, wie toll die Unterkunft "Chez Jacques" wäre. Denn sie würde direkt am Strand liegen.  Wir fuhren an einer Mauer vorbei, an der Werbung für einen Reiseveranstalter hing. Er warb mit verschiedensten Reisezielen. Unter anderem hing dort ein Schild, das die Seychellen anpries. Und ich dachte nur: "Ja, bitte. Sofort!!!" Ich konnte ja noch nicht wissen, dass ich mich mit der Insel doch noch etwas anfreunden würde...

 

> Ankunft in Mauritius

 

Im Chez Jacques angekommen, wurde ich sehr freundlich von den zwei Hunden Snow und Tuffie sowie von Ivan empfangen. Ein Italiener, dessen Mutter wohl eine Vorliebe für russische Vornamen hatte. Wie ich erst später herausfand, gehörte ihm die Unterkunft nicht. Er schmiss den Laden hier wohl gemeinsam mit seiner Frau Valentina, die eine dicke Babykugel vor sich herschob. Ich hatte ein Dreibettzimmer gebucht, weil das über booking.com lustigerweise das günstigste Angebot war. Ivan bot mir jedoch an, dass ich am Folgetag für die kommenden Nächte in ein Einbettzimmer wechseln könnte, das wäre für mich sehr viel günstiger. Genau so haben wir das auch gemacht. Als ich mich so in meinem Zimmer ausbreitete, bekam ich plötzlich einen Zusammenbruch. Meine Schwester fragte, wie es denn sei auf Mauritius, da sie ja vier Tage später nachfliegen würde. Daraufhin fing ich an, furchtbar zu weinen. Ich fand alles in diesem Moment furchtbar. Ich wollte unbedingt zurück auf die Seychellen. Meine Schwester videotelefonierte mit mir und beruhigte mich so weit, dass zumindest keine Tränen mehr liefen. Ich fühlte mich dennoch so gestresst, dass ich unbedingt eine Zigarette wollte. Auf den Seychellen hatte ich gar nicht geraucht, weil alles so entspannend war.

 

Zu allererst musste ich mich aber mal um meinen knurrenden Magen kümmern. Auf dem Weg zum gegenüberliegenden Hotel Tamarin fragte ich erstmal noch bei der Surfschule an, ob und wann sie Kapazitäten für eine neue Schülerin hätten.  Schließlich war das einer der Gründe, wieso ich so lange in Tamarin bleiben wollte. Ich wollte mich am Ende dieser Zeit wohl auf einem Surfbrett fühlen können. Ich sollte am Folgetag 9 Uhr vorbeikommen, um mit dem Surflehrer einen Termin auszumachen. Das schaffte ich selbstverständlich nicht, da ich am nächsten Morgen immer noch frustriert war. Ein kurzer Blick auf den Strand löste in mir eine weitere Enttäuschung aus. Kein Vergleich mit den Paradies-Stränden auf den Seychellen.

 

Im Hotel Tamarin wurde mir als erstes der Tamarindensaft angepriesen. Schließlich hatte der Ort daher seinen Namen und war typisch für die Region. Doch schon der erste Schluck rief in mir das Bedürfnis hervor, diesen direkt wieder auszuspucken. Sowas ekelhaftes hatte ich selten verzehrt. Da es bei der Speisenwahl nicht so viele Möglichkeiten gab, entschied ich mich für einen Hamburger mit Pommes. Was konnte man da schon falsch machen? Während ich jedoch wartete, wurde ich innerhalb kürzester Zeit von gefühlten 1000 Mücken zerstochen. Ich wollte also fix rüber in die Unterkunft und mich mit Mückenspray einnebeln. Anscheinend war es dem Personal aber zu riskant, dass ich nicht wiederkommen würde, sodass sie mir von irgendwo im Hotel ein Mückenspray besorgten. Endlich wurde mein Hamburger serviert. Zu den Pommes gab es Mayo, Ketchup und was grünes, von welchem ich annahm, dass es Guacamole wäre. Hätte einem ja mal jemand sagen können, dass das Wasabi ist. Stattdessen spuckte ich Unwissende die nächsten 5 Minuten Feuer. Der ganze Bezahlvorgang war auch irgendwie kompliziert. Da bekam ich eine Quittung, mit der ich erst zur Rezeption laufen musste. Dort musste ich weitere Blätter unterschreiben bis ich mal zahlen konnte.

 

Bevor ich zurück ins "Chez Jacques" kehrte, kaufte ich noch schnell Zigaretten. Dabei fiel mir auf, wie cool die Außenmauern mit Graffitis besprüht waren. Auch die Atmosphäre im Hof der Unterkunft konnte ich erst jetzt richtig aufsaugen. Wie liebevoll das hier gestaltet war mit den ganzen Hängematten. Ich verzog mich auf meine Terrasse und plante die nächsten Tage.

 

> erste Eindrücke von Tamarin

 

Wesley, der auch hier wohnte, kam hoch und fragte, ob ich mit zum Sonnenuntergang an den Strand kommen wollte. Ich sagte, ich würde gleich nachkommen. Als ich an den Strand kam, war die Stimmung ausgelassen. Viele hatten sich mit Bierchen und Musik versammelt, um dem Farbenspiel der untergehenden Sonne zuzuschauen. Ich ging nicht zur Gruppe der anderen. Irgendwie wollte ich gern für mich bleiben. War immer noch etwas traurig über die ganze Situation. Neben mir spielten zwei Welpen mit ihrem Frauchen, was ganz niedlich war. Und endlich bekam ich meinen ersten tropischen Sonnenuntergang. Das war dann doch ein Pluspunkt für Mauritius.

 

> Sonnenuntergang in Tamarin

 

Nachdem das Schauspiel vorüber war, ging ich zurück zur Unterkunft und überlegte, ob ich nicht doch ein Auto mieten wollte. Ivan hätte da gute Kontakte für 25 Euro pro Tag. Ich stellte noch eine Anfrage für zwei Wandertouren bei einer Agentur. Bis ich da allerdings eine Antwort bekommen hatte, bin ich die Touren bereits selbst gelaufen. Ivan fragte noch, ob ich am nächsten Abend beim BBQ mitessen wollte. Ich dachte darüber nach. In meinem Zimmer entdeckte ich anhand seiner piepsenden Geräusche einen kleinen Gecko, den ich Stevie taufte. Der war wohl mein neuer Mitbewohner. Was diesen Abend dann noch abrundete war meine Entdeckung des Southern Cross am Himmel. Das Sternenbild habe ich ja auf Grund meines Aufenthaltes in Neuseeland hinter meinem Ohr tätowiert. Man kann es allerdings nur auf der südlichen Hemisphäre tatsächlich am Himmel betrachten. Deswegen freute ich mich darüber wie ein kleines Kind bevor ich mich bettete.


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Kommentare: 2
  • #1

    Gast (Dienstag, 16 Januar 2018 15:30)

    Es ist einfach nur schrecklich zu lesen...Sowohl dein Schreibstil als auch der Textsatz. Man bekommt schlechte Laune und eigentlich interessiert es niemanden, ob du dein Shampoo mitnimmst oder deine Früchte in den Müll schmeißen musst.

  • #2

    Carina Weltweit (Dienstag, 16 Januar 2018 16:09)

    Lieber Gast,

    ich finde es sehr schade, dass du dir dein Urteil anhand eines Artikels bildest (so zumindest meine Annahme). Denn meine Berichte sind ja als tageweise, fortlaufende Erzählungen zu verstehen. Einerseits um meine Erlebnisse zu teilen, andererseits um dem Leser eine Entscheidungshilfe für das Bereisen der entsprechenden Urlaubsziele zu geben. Wenn du schlechte Laune beim Lesen bekommen hast, habe ich ja eigentlich mein Gefühl, mit dem ich durch diesen Tag gestiefelt bin, gut vermittelt. Es hat jedoch nicht jeder Artikel diese Grundstimmung.
    Bezüglich des Textsatzes würde mich doch genauer interessieren, was du meinst, da das einerseits Teil meines Studiums war und ich eigentlich weiß, was ich da tue, andererseits aber die mobile Ansicht automatisch anders erscheint als die am Computer. Schreib mir doch gerne eine E-Mail diesbezüglich. Für Veränderungsvorschläge bin ich offen.

    PS: Nicht jedem muss mein Blog gefallen. Das finde ich vollkommen ok.