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Deliziöse Ente auf dem Teller, nistende Störche in der grünen Oase


Heute hieß es, ganz gemütlich in den Tag starten. Nachdem wir die Nacht ohne Frischluft, aber mit ausreichend Schlaf überstanden hatten, machten wir uns in Ruhe straßentauglich. Als sich der Hunger bei uns bemerkbar machte, wurde es höchste Zeit, dass wir uns in die 30° heißen Sonnenstrahlen begaben. Ausgestattet mit Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme stiefelten wir los. Der Weg, den wir vom Abend schon zu McDonald's kannten, führte ebenso zu der Tram. Wir nahmen eine kleine Abkürzung durch ein Stück Grün. An dem durchfließenden Bach saßen ein paar angelnde Männer. Voller Ruhe genossen sie den sonnigen Tag. Die Atmosphäre wirkte auf mich auch sehr entspannt. Da wir auf die nächste Tram an der Station Krimmeri einige Zeit hätten warten müssen, entschlossen wir uns, einfach zu laufen. Der Weg sah ja gar nicht so weit aus auf der Karte. Da wusste ich noch nicht, dass wir am Ende des Tages fast 20.000 Schritte gelaufen sein würden. In den Straßenzügen von Strasbourg, die nicht zum Zentrum gehören, kann man einiges entdecken. Es gibt sehr moderne Architektur zu sehen, die mit kleinen botanischen Oasen auf den Dächern und Balkonen verschmelzen. Aber auch sehr alte Balkongitter, die ihren Charme versprühen. An einem künstlerisch verschönerten Briefkasten war ein Bild von einer Ratte gesprüht, in deren Bauch "RAT" geschrieben stand. Als ich die Kamera herausholte, fragte Mama, was ich jetzt fotografieren wolle. Ich wies auf den Briefkasten. Meine Mama äußerte begeistert: "So so, die Maus gibt Rat!". Ich musste schmunzeln und wandte mich an die Frau, die mich zur Welt gebracht hat: "Du weißt aber schon, dass RAT englisch ist und Ratte bedeutet?". Wir mussten beide lachen.

Wir folgten weiter der Route auf der Karte. Nach Überquerung einer breiten, viel befahrenen Straße führte uns ein kleiner Weg in einen kleinen Park - den Parc de l'Etoile. Uns fiel hier schon auf, dass Strasbourg eine sehr grüne Stadt ist. Vom Sternpark aus hat das Musik- und Tanztheater unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Denn davor standen viele weiße Zelte. Als wir uns näherten, konnten wir nun afrikanischen Rhythmen lauschen. In den Zelten gab es diverse afrikanische Produkte zu erstehen. Das ein oder andere afrikanische Gericht wurde auch angeboten. Wir sogen die gelassene Atmosphäre inklusive tanzender Babies auf und machten uns wieder auf Richtung Stadtzentrum. Für heute war ein Spaziergang an den Kanälen rund um den Stadtkern geplant. Zunächst waren wir aber immer noch auf der Suche nach etwas Essbarem. Unsere Idee war, Richtung Kathedrale zu laufen. Dort müsste es schließlich touristenhungrige Restaurants geben. Nachdem wir einige Brücken mit wunderschöner Bepflanzung in Blumenkästen und traumhaft schöne alte Fachwerkhäuser passierten, fanden wir ein Lokal ans andere gereiht, sodass uns die Wahl schwer fiel. Letztlich entschieden wir uns nach ausgestellter Karte und klangvoller Untermalung eines Akkordeon spielenden Straßenmusikers für das Restaurant "Le Gruber". Wir wurden direkt vom sehr attraktiven Kellner auf Deutsch mit französischem Akzent begrüßt, woraufhin ich ihn irritiert fragte, wieso er wüsste, dass wir Deutsche seien. Er hätte es vorher schon gehört, sagte er mit einem charmanten Lächeln. Während wir die vorbeiziehenden Nationalitäten beobachteten, genossen wir zunächst eine Ente im Honigmantel mit einer grandiosen Rotweinsauce und anschließend die wohl geilste Mousse au Chocolat, die ich je verspeist habe. Die Franzosen kennen sich definitiv mit gutem Essen aus. Der Akkordeonspieler wechselte nach einer Weile den Standort. Kurz darauf gesellte sich eine Jazz Bossanova Combo in die Nähe und unterhielt unsere Ohren mit wohlklingenden Melodien.

 

> erste Eindrücke von Strasbourg

 

Da "Le Gruber" sehr nah an der Kathedrale lag, wollten wir uns nun diese auch anschauen. Die Kathedrale ist wirklich ein imposantes Bauwerk - mit einer sehr langen Schlange vor dem Eingang. Wir entschieden uns also, an einem anderen Tag direkt zur Öffnung zu kommen, um uns die Kathedrale von innen anzuschauen. Die Umsetzung dieses Plans hat natürlich nicht geklappt und wir haben das Innere nicht zu sehen bekommen. Aber in diesem Moment genossen wir einen Spaziergang rund um die Kathedrale und erfreuten uns des imposanten Anblicks. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Auch hier wird man überall von Musik begleitet. Dieses Mal verwöhnte uns ein Cellist musikalisch.

 

> Kathedrale Strasbourg

 

Während wir zu unserem Kanalspaziergang aufbrachen, entdeckten wir einen wunderschönen, grünen Hinterhof mit Restaurants und Sitzgelegenheiten. Solche Örtchen machen wirklich den Charme dieser wundervollen Stadt aus. Ich amüsierte mich über die tolle Kunst, die man an so mancher Hauswand bestaunen konnte. Ebenso niedlich waren die eisernen Bilder, die außerhalb von Läden hingen, damit man direkt wusste, was man drin vorfindet. Am amüsantesten fand ich jedoch immer wieder die deutschen Übersetzungen der Straßennamen, die auch auf den Straßenschildern zu lesen waren.

Leider stellte sich allerdings ein Problem ein. Meine Mama begann über Bauchschmerzen zu klagen. Wir folgten vorerst weiter unserem Plan, den Kanalspaziergang zu machen. Doch nun entwickelten sich tatsächlich Bauchkrämpfe bei meiner Mama. Unsere Konsequenz war, erstmal wieder zurück in die Unterkunft. Denn in dem Zustand konnte sie unmöglich in Ruhe unsere Stadttour genießen. Wir entschlossen uns zu laufen, da es gerade keine Tram gab. Irgendwie hatte ich den Weg allerdings kürzer in Erinnerung und wir brauchten doch ganze 30-40 Minuten nach Hause. Auf dem Weg fragte mich Mama: "Na, bereust du schon, dass du mich mitgenommen hast?". Scherzhaft sagte ich "Ja, gerade irgendwie schon.". Wir lachten beide. Natürlich kann niemand etwas dafür, wenn es einem körperlich nicht gut geht.

 

> Eindrücke von Strasbourg

 

Während sich meine Mama in der Unterkunft ausruhte, versuchte ich Organisationstalent den Tag noch zu retten und plante um. Sobald Mutti wieder fit war, machten wir uns mit Auto auf den Weg zum Europäischen Parlament. An einer Ampel mit blinkendem gelben Pfeil fragte ich mich, ob ich nun fahren durfte oder nicht. Nach Beobachtung de Verkehrs hatte es aber anscheinend die gleiche Bedeutung wie unser abbiegender grüner Pfeil. Mama fand das allerdings derart irritierend, dass sie sich an einer Ampel in den Sitz krallte und rief: "Carina, da ist rot!". Ich erklärte ihr, dass ich fahren durfte und sie sich mal beruhigen und mich bitte fahren lassen sollte.

Ich hatte mich zuvor bezüglich der Parksituation erkundigt. Gar kein Problem, direkt am Parlament konnte ich mein Fahrzeug unproblematisch und kostenfrei abstellen. Laut meiner Freundin Isi, die drei Monate in Strasbourg gewohnt hat, ist das Parlament von innen eh nicht so spannend. Also war es auch gar nicht so schlimm, dass wir erst am späten Nachmittag dort auftauchten. Selbige Freundin gab mir auch den Tipp, vom Parlament zum Parc de l'Orangerie zu laufen. Dort könne man schön entspannen. Gesagt, getan. Auf dem wieder mal sehr schön grünen Weg dorthin, spaßten wir erst mit 1-2-jährigen Erdenbürgern herum, die einfach zuckersüß waren, wunderten uns über sternförmige Sitzgelegenheiten und genossen dann die schöne Aussicht auf ein Bootshaus und das Parlament aus einer anderen Perspektive. Die Tram fuhr direkt an unserem Fußweg entlang. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dieses Fleckchen Erde also auch gut zu erreichen.

 

> Europäisches Parlament

 

Am Parc de l'Orangerie angekommen, waren wir direkt begeistert. Wir ahnten ja noch nicht, wie riesig diese Parkanlage ist. Und doch fühlten wir uns direkt wohl und erholt. Ich saugte die gelassene Atmosphäre der Menschen um uns herum auf. Einige entspannten auf Picknickdecken und andere waren voller Inbrunst dabei, Wikingerschach zu spielen, von dem ich zwar mal gehört hatte, aber es optisch nicht zuordnen konnte. Über uns hinweg flogen immer wieder anmutige Störche, die ihre riesigen Nester auf den Wipfeln der Bäume gebaut hatten. Plötzlich tat sich mitten auf dem Weg ein großes Haus mit umzäunten Gehegen auf. Da wurde doch tatsächlich eine Art Mini-Tierpark mitten in den Park gebaut. Von Pfauen über Flamingos bis hin zu einer eigenen Storch-Aufzuchtstation gab es hier einiges zu bestaunen. Schnabelnde Flamingos habe ich hier zum ersten Mal in meinem Leben zu Gesicht bekommen. Und sobald sie damit fertig sind, laufen sie wieder stolz umher als wäre nichts gewesen.

Außerdem sah man nun überall Blumen gepflanzt, sogar an den Lampen. Es gab Sichtachsen, die vermuten ließen, wie groß dieser Park tatsächlich war. Einige trieben in Gruppen Sport inmitten floraler Grünflächen. Letzlich überraschte uns noch ein kleiner See mit einem kleinen Wasserfall und Booten in einem Stern angeordnet. Wir vermuteten, dass man tagsüber diese Boote mieten konnte. Ein sehr erholsames Ambiente. Meine Mama wiederholte den ganzen Tag schon, dass wir ja noch Wasser kaufen müssten, weil wir langsam keins mehr hätten. Wir versuchten also unser Glück in den beiden Restaurants, die am See standen. Allerdings verkauften sie dort anscheinend kein Wasser in Flaschen. Laut Internet hatte der Supermarkt in der Nähe unserer Unterkunft noch bis 21 Uhr geöffnet. Also war das unser nächstes Ziel, nachdem sich die Sonne langsam rar machte. Als wir den Park verließen, sah ich noch in der Rinde eines Baumes ein Herz. Es sah aber nicht eingeritzt aus, sondern als hätte die Natur diese Risse in Herzform hervorgerufen. Auf dem Weg zum Supermarkt führte mich mein Navi an einer imposanten gothischen Kirche entlang. Diese merkten wir uns als Sehenswürdigkeit, die wir uns die nächsten Tage noch anschauen wollten.

 


> Parc de l'Orangerie

 

Der Supermarkt hatte entgegen den ausgeschilderten Öffnungszeiten bereits geschlossen. Zwei Männer auf einem Roller, die vor uns fuhren, warteten anscheinend darauf, dass wir ihnen nach dem Stopp an der roten Ampel folgen würden. Leider musste ich ganz dringlich abbiegen, sodass sie uns verloren hatten.

Spontan kehrten wir in ein Restaurant gegenüber von McDonald's ein, welches mit Flammkuchen warb. Und auf den Elsässer Flammkuchen waren wir schon die ganze Zeit scharf. Ein Gläschen Wein dazu...Mmmmmmhhh. Das war wirklich so richtig lecker.

Zurück in das Apartment ohne Frischluft betteten wir uns. Denn nach diesem Tag hatte ich definitiv keine Energie mehr für Kizomba.

 


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