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Verträumtes Fachwerk mit traumhaftem Shopping


An diesem Tag stand der wunderschöne Stadtteil "La Petite France" (= das kleine Frankreich) auf unserem Plan. Der Morgen begann noch in der Unterkunft recht witzig. Ich hatte Mama eine klare Ansage gemacht: "Heute gibt es keine Bauchkrämpfe!". Da Mama gerade trank und wir beide lachen mussten, prustete sie das Wasser quer durchs Zimmer...und randalierte anschließend noch, da sie gegen einen Schrank rannte.

Zuallererst stand heute aber erst einmal Shopping im Supermarkt an. Wir hatten kein Wasser mehr. Und auch das Shampoo und Duschgel ging mir aus. Da der Supermarkt nicht so weit entfernt war, entschlossen wir uns erneut, den Weg zu Fuß zu bestreiten. Der Einkauf wurde verstaut und wir folgten dem ausgeschilderten Fahrradweg, welcher neben den Gleisen der Tram verlief. Wieder einmal genossen wir den Pfad durchs Grüne. Ein kleines knallbuntes Haus erhob sich am Wegesrand und sprang einem förmlich ins Gesicht.

Wir entschlossen uns, heute wieder auf Frühstück zu verzichten und direkt mit etwas deftigem zu starten. Wir entdeckten ein Restaurant namens "Le Bistrot des Copains" in einem sehr alten quietschgelben Fachwerkhaus direkt vor den Toren des "La Petite France". Wieder einmal war das Wetter so grandios, dass wir es uns draußen unter einem schattenspendenden Schirm gemütlich machten. Auf der Karte war keine große Vielfalt an Gerichten zu finden. Wir entschieden uns für einen Burger mit Pommes frites. Der Burger wurde ernsthaft mit Besteck serviert. Die Etikette ließ ich mal komplett links liegen. Einen Burger kann man meiner Meinung nach nur mit den Händen richtig verspeisen. Die Pommes frites wurden sehr niedlich serviert. Sie waren in eine Papiertüte gefüllt, die wie Zeitungspapier bedruckt war. Diese Papiertüte stand in einem Miniatur-Fritteusekörbchen. Dazu gab es noch ein Gläschen Wein. Gut gesättigt begannen wir unseren Spaziergang entlang des Kanals. Dabei bestaunten wir die wunderschönen alten Fachwerkhäuser. Man fühlte sich ein wenig in der Zeit zurückversetzt. Die engen Gassen strotzten nur so vor süßen Cafés, Biergärten und kleinen Tante-Emma-Läden. Die Straßen führten teilweise am Kanal entlang, teilweise ins Stadtinnere. Auf ein Neues wanderten wir wieder durch ein friedliches Gemenge. So viele unterschiedliche Kulturen und Sprachen konnten wir wahrnehmen. Und doch lebten alle friedlich miteinander. Nicht eine Auseinandersetzung konnte man beobachten.

 

> La Petite France, Strasbourg

 

Als wir von dem Weg wieder zum Kanal geführt wurden, folgten unsere Blicke erstaunt einer Segway-Reisegruppe. Da waren tatsächlich ca. 15 Leute zu faul zum Laufen, um die Stadt zu erkunden, und nutzten stattdessen ein Segway. Ein weiterer lustiger Restaurantname fiel mir ins Auge "Le Schnockeloch" - was auch immer das bedeuten mag. Wir bogen in die Haupteinkaufsstraße ein. Shopping hatte noch nie so viel Flair wie hier. Zwischen Modeläden und Eiswagen tummelten sich Szene-Cafés und originelle Restaurants.

Ich habe einen wunderschönen Kirschrock im ersten Laden erstanden. Mode können Franzosen definitiv auch. Im zweiten Laden gestaltete sich die Anprobe schon etwas schwierig, da es nur eine Kabine und kaum Platz gab. Diverse wartende Leute unterstützten die Situation in der "Grunge Boutik" nicht gerade. Nach einigen Anproben entschied ich mich für ein tolles 50er-Jahre-Pünktchenkleid und ein sehr schönes Oberteil im maritimen Look. Kleine Boote und Anker waren über den ganzen Stoff verteilt. Im gleichen Stoff gab es eine passende Handtasche, zu der ich dann auch nicht nein sagen konnte. Glücklich über meine neuen Errungenschaften verließ ich den Laden. Mama wirkte ein klein wenig gelangweilt. Es war an der Zeit, auch für sie etwas hübsches zum Anziehen zu finden.

 

> La Petite France - Shopping

 

Und schon wurden wir auch im nächsten Laden fündig. Ein schönes, toll geschnittenes, jugendliches Kleid haben wir meiner Mama ausgesucht. Ich war zufrieden, meine Mama glücklich - Mission erfüllt.

Und dann entdeckte ich den absoluten Oberbrüller: einen DOGO-Laden. Den gibt es wirklich!!! Ich dachte, es gäbe nur Internetversand. Ich war total begeistert. Ich liebe diese Schuhmarke, habe bereits vier Paar von den handgefertigten Kunstwerken. Und dann gibt es da einen ganzen Laden voll mit bunten Schuhen. Ein kleines Paradies für mich.

Ich gönnte mir noch ein Eis während wir die Straße weiter entlangschlenderten. Schließlich kamen wir an einem Platz heraus, auf dem in der Mitte ein wunderschönes Retro-Karussell stand. Wir passierten einladende Bäckereien mit französischen Köstlichkeiten in den Schaufenstern. Erstaunlich fand ich ein bildschönes altes Gebäude, in dem man ein McDonald's vorfand. Wir suchten einen Supermarkt. Ein Mann gab mir eine Wegbeschreibung. Und als wir den Supermarkt endlich fanden, wurde uns klar, dass wir schon drei Mal daran vorbeigelaufen waren. Der Eingang sah aber auch eher wie eine Baustelle aus. Das als Eingang zu einem Lebensmittelgeschäft zu erkennen, bedurfte schon Superkräften. Wir füllten abermals unseren Wasserhaushalt auf und besorgten uns einen Fertigsalat als Abendbrot.

 

> Innenstadt

 

Als wir uns zurück zur Unterkunft aufmachen wollten, stand uns eine Menschentraube im Weg. Wir waren neugierig und wollten uns anschauen, was dort passierte. Man sah einen jungen Mann auf dem Boden liegen. Ein anderer steppte geigend vor sich hin auf einer rechteckigen Metallplatte. Die Show der beiden zog uns in den Bann. Also standen wir eine Weile dort und genossen die Darbietung. Nachdem der Geiger den Liegenden mit Hilfe eines kleinen Jungen aus dem Publikum wieder zum Leben erweckte, fiel mir auf, dass die beiden ja Zwillinge waren. Der zuvor am Boden liegende junge Mann trug nun ein Knopf-Akkordeon vor der Brust. Sie steppten jetzt gemeinsam. Und fiedelten dabei mit ihren Instrumenten. Der absolute Höhepunkt war allerdings als der Geiger sich auf die Schultern des Akkordeonspielers setzte und dieser während der musikalischen Darbietung auch noch gleichzeitig steppte. Ich hab meinen Mund vor Staunen nicht mehr zu bekommen.

 


> steppende und musizierende Zwillinge

 

Als wir nach Hause kamen, erwartete uns eine Überraschung. Mein Shampoo war in Mamas Rucksack ausgelaufen. Bevor wir uns also dem Abendbrot widmen konnten, musste erstmal geschrubbt und alle anderen Dinge im Rucksack vom Shampoo befreit werden. Nachdem wir endlich unseren Salat verspeisen konnten, haute Mama noch eine tolle Erkenntnis als Gute-Nacht-Schmankerl heraus: "Ich habe mein Ladegerät kaputt gemacht. Das ist nicht meine Woche.... Ach! Das ist da nur so reingesteckt!".


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